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Filmkritik

Ein Sommer in New York

Die Story: Seit dem Tod seiner Frau vor fünf Jahren driftet Wirtschaftsprofessor Walter Vale ziellos durchs Leben. Das ändert sich, als er von seiner Uni in Connecticut zu einer Konferenz nach New York beordert wird und dort in seinem Zweitwohnsitz auf den Syrer Tarek und dessen senegalesische Freundin Zainab stößt, denen der Wohnungsverwalter das Appartement widerrechtlich überlassen hat. Nachdem sich alle von ihrem Schrecken erholt haben, bietet Walter dem illegal in den USA lebenden Pärchen an, vorübergehend bei ihm bleiben zu dürfen. Bald entwickelt sich zwischen dem Professor und Tarek, der seinem Gastgeber das Trommeln beibringt, eine Art Freundschaft. Umso größer ist Walters Schock, als der Syrer in die Hände der Einwanderungsbehörde gerät und in Abschiebehaft genommen wird. Als auch noch Tareks Mutter Mouna aus Michigan anreist, wird Walter immer klarer, dass er etwas unternehmen muss ...



Die Schauspieler: Durch sein zurückgenommenes, aber überaus nuanciertes Spiel wirkt Richard Jenkins ("Kaltes Land") als vom Tod seiner Frau seelisch schwer angeschlagener Mann, der allmählich einen neuen Sinn im Leben findet, sehr glaubwürdig. Dafür wurde der theatererfahrene Mime, der im Kino meist nur in Nebenrollen zu sehen ist, im vergangenen Jahr völlig zu Recht für einen Oscar nominiert. Zu überzeugen wissen aber auch Haaz Sleiman (Tarek), Danai Gurira (Zainab) und die wie immer wunderbare Hiam Abbass ("Lemon Tree") als Mouna, zu der Walter zaghaft zarte Bande knüpft.



Der Regisseur: Dem Schauspieler Tom McCarthy gelingt es nach seinem famosen Regiedebüt "Station Agent" (2003) erneut, Charaktere zu erschaffen, an deren Schicksal man bereitwillig Anteil nimmt. In dem subtil gezeichneten Entwicklungsprozess seines Protagonisten lässt er den Traum von einem harmonischen multikulturellen Miteinander aufscheinen. Dem stellt er dramaturgisch geschickt die besonders nach 9/11 inhumane Züge tragende Abschiebepraxis der US-Einwanderungsbehörden gegenüber. Herausgekommen ist dabei ein bewegender Film, der sich aus gutem Grund eines wohlfeilen Happy Ends enthält.



Fazit: Zu Herzen gehendes, aber nicht ohne Humor erzähltes Drama.

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Datum:  14.1.2010
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