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FILMKRITIK

Easy Virtue

Die Story: England, 20er Jahre: Allzu gut ist die Stimmung am Stammsitz der Whittakers nicht, als Adelsspross John mit seiner frisch angetrauten amerikanischen Frau Larita vorfährt, um für ein paar Tage zu bleiben. Das liegt vor allem an Johns Mutter, die sich als Hüterin traditioneller Wertvorstellungen und alter Konventionen versteht. Für ihren Sohn hätte sich Mrs. Whittaker eine standesgemäßere Partie gewünscht als die freigeistige Larita, die Autorennen fährt, den ihr suspekten 'American Way of Life' repräsentiert und damit so gar nicht in ihr konservatives Weltbild passt. Sie empfängt die Schwiegertochter mit spitzer Zunge und lässt fortan keine Gelegenheit aus, die um familiäre Akzeptanz bemühte Larita in schlechtem Licht erscheinen zu lassen. Doch sie trifft auf Widerstand ...



Die Schauspieler: Sarkasmus, Ironie, offene Verachtung - nichts von alldem ist der von Kristin Scott Thomas grandios verkörperten Familienmatriarchin im Umgang mit ihrer ungeliebten Schwiegertochter fremd. Jessica Biel hält als Zielscheibe von Mrs. Whittakers unbeirrbarer Feindseligkeit tapfer dagegen. Auch super: Colin Firth in der Rolle des depressiven Kriegsheimkehrers Mr. Whittaker, der sich gern in Zynismus flüchtet, Larita im Gegensatz zu seiner Frau jedoch aufgeschlossen gegenübersteht. Ben Barnes ('Das Bildnis des Dorian Gray') hat dagegen kaum Gelegenheit zu glänzen. Sein John erscheint angesichts der explosiven familiären Gemengelage reichlich hilflos.



Der Regisseur: Der Film von Stephan Elliott ('Priscilla - Königin der Wüste') basiert auf einem Theaterstück Noel Cowards aus den 20er Jahren, wirkt aber alles andere als angestaubt. Elliott schrieb auch am Drehbuch mit, seine Inszenierung ist temporeich, die Dialoge durchtränkt von tiefschwarzem Humor. Selbst vor Ausflügen ins Boulevardeske scheut der australische Regisseur, der lange Zeit durch die Folgen eines schweren Skiunfalls außer Gefecht gesetzt war, nicht zurück. Hat man sich an diesen launigen Ton gewöhnt, fällt es dann allerdings etwas schwer, mit den Figuren mitzufühlen, wenn die Tragik, die ihnen innewohnt, nach und nach zum Vorschein kommt.



Fazit: Bissige, dialogstarke Gesellschaftskomödie.



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Datum:  24.6.2010
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