Die Story: Der berühmte Dirigent Daniel Dareus ist für sechs Jahre im Voraus ausgebucht - zuviel. Er kollabiert auf offener Bühne. Völlig ausgepowert gibt er seine Karriere auf und zieht sich in sein nordschwedisches Heimatdorf zurück. Zögernd übernimmt er dort die Leitung des Kirchenchors. Das gefällt nicht jedem im Ort.
Die Schauspieler: Der schwedische Starschauspieler Michael Nyqvist, bei uns zuletzt als "Der Typ vom Grab nebenan" zu sehen gewesen, verleiht dem Stardirigenten Daniel Dareus angemessen kantige Konturen. Äußerst einnehmend agiert Newcomerin Frida Hallgren in der Rolle einer jungen Frau namens Lena, die ihr Herz auf der Zunge trägt und das von Dareus zu Recht erobert.
Der Regisseur: Nach 18-jähriger Leinwandabstinenz meldet sich Kay Pollak ("Love me") mit einem ergreifenden Film zurück, der Seichtheit vermeidet, obwohl die Story das Potenzial dafür hätte. Manchmal mit nur wenigen Strichen, aber stets sorgfältig zeichnet er die Charaktere der Chormitglieder, spinnt um sie herum viele kleine Geschichten, ohne dabei den roten Faden - die Selbstfindung seines Protagonisten - aus dem Auge zu verlieren. Fast wie von selbst entsteht so das Porträt einer Dorfgemeinschaft, hinter deren heiler Fassade ein bigotter Pastor und ein prügelnder Ehemann eher unrühmliche Rollen spielen. Die Annäherung zwischen dem introvertierten Künstler und den graumäusigen Sangesbrüdern und -schwestern, von der beide Seiten profitieren, schildert Pollack mit Humor und Gespür für die Stärken und Schwächen seiner Figuren. Während die Chormitglieder ein Gefühl für ihre natürliche Begabung entwickeln und an Selbstbewusstsein gewinnen, geht für Dareus ein Lebenstraum in Erfüllung: mit Hilfe der Musik Zugang zu seinen Mitmenschen und damit letztlich zu sich selbst zu finden.
Fazit: Kitschfreies Gefühlskino. Die gelegentlichen Ausflüge ins Theatralische sind leicht zu verschmerzen.
125 Min.; Passage, Zeise