Die Story: Nike (Nadja Uhl) und Katrin (Inka Friedrich) wohnen im selben alten Berliner Mietshaus, sind beide immer noch nicht dem richtigen Mann begegnet und schlagen sich eher soso als lala durchs Leben. Nike, die schnuckelige Schnodder-Schnauze mit String-Tanga, ist eine engagierte Altenpflegerin. Katrin, die schüchterne Schaufensterdekorateurin, sucht seit Jahren einen Job und findet ein wenig Halt bei ihrem 13-jährigen Sohn Max. Die lauen Sommernächte verbringen die Nachbarinnen auf Nikes Balkon - sie trinken viel Wodka mit wenig Cola, sie lästern über Männer, sie sind füreinander da. Da platzt der Trucker Ronald (Andreas Schmidt) in ihr Leben: Der dumpfbackige und höchst potente Proll-Macho beginnt eine Affäre mit Nike - und bringt damit die Freundschaft der beiden Frauen ins Wanken ...
Die Schauspieler: Nadja Uhl ("Das Wunder von Lengede") darf als patente, etwas naive Berliner Blondine endlich mal die Komödien-Sau rauslassen, verleiht ihrer auf den ersten Blick oberflächlichen Figur jedoch auch eine überraschende Verletzlichkeit und Tiefe. Und wie Inka Friedrich ("Willenbrock") die allein erziehende Mutter auf Arbeitssuche spielt, ihre Scheu, ihre Unsicherheit, ihre Verzweiflung und ihr unauffälliges Abrutschen in den Alkohol - das ist schlicht umwerfend, zutiefst berührend, geradezu zum Verlieben. Auch der Rest des grandiosen Ensembles agiert erfrischend natürlich: Da stimmt einfach jede Nuance.
Der Regisseur: Andreas Dresen knüpft hier an seinen preisgekrönten Überraschungserfolg "Halbe Treppe" an: Sensibel, mit genauem, beinahe dokumentarischem Blick erzählt er erneut eine ebenso packende wie herzerwärmende Geschichte mitten aus dem Leben - mit vielen kleinen, kostbaren Momenten der Wahrheit. Der legendäre DDR-Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase ("Solo Sunny"), ein Meister der Lakonik, hat urkomische, kultverdächtige Dialoge geschrieben - und behandelt dabei auch ernste Themen wie Einsamkeit und Altenpflege völlig ohne Larmoyanz und mit verblüffender Leichtigkeit. Die fabelhafte, heiter-poetische Filmmusik von Pascal Comelade und herrliche alte Schlagerschnulzen sorgen zusätzlich für feine Ironie. So gelingt Kohlhaase und Dresen das Kunststück, dass man beschwingt, beglückt und mit neuem Mut aus dem Kino kommt.
Fazit: Ein ganz und gar wunderbares Filmjuwel - lebensecht, anrührend und hinreißend witzig: Dieser "Sommer vorm Balkon" löst mitten im Winter Frühlingsgefühle aus.
Gepflegter Sommernachtsplausch: Katrin (Inka Friedrich, l.) und Nike (Nadja Uhl)