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FILM DER WOCHE

Vollidiot

Es gibt doch kaum etwas Armseligeres als einen männlichen Single, der sich selbst bemitleidet. Ein besonders hübsches Exemplar dieser Gattung ist der leidenschaftslose Handyverkäufer Simon: ein deprimierter Endzwanziger, vom Leben frustriert, von Frauen abserviert. Seine große Liebe hatte vor einem Jahr die Schnauze voll von ihm - und seither startet er im Kölner Nachtleben, vor allem in Irish Pubs, ebenso hilflose wie glücklose Anbagger-Versuche. Als er plötzlich in einem Coffeeshop seine Traumfrau erblickt, würde er sie am liebsten sofort heiraten. Aber wie soll er sie bloß anquatschen?



Auf den ersten Blick wirkt der TV-Moderator und Comedian Oliver Pocher wie die Idealbesetzung für die Titelrolle in der Bestseller-Verfilmung "Vollidiot": Er ist 29, sieht aus wie 19 und benimmt sich, als wäre er neun. Ein rotzfrecher Rüpel. Ein arrogantes Großmaul. Aber im Gegensatz zu Matthias Schweighöfer ("Soloalbum") oder John Cusack ("High Fidelity") fehlt dem Kino-Debütanten die emotionale Tiefe, um den Zuschauer in den Film hineinzuziehen: Pocher sorgt eher für Distanz. So fällt es schwer, sich mit Simon zu identifizieren. Denn obwohl er ein paar witzige Sprüche draufhat und einige Zeitgeist-Phänomene (wie die Invasion der US-Coffeeshops) gut auf den Punkt bringt, bleibt er doch vor allem eines: ein egoistischer, unsympathischer, rücksichtsloser Ignorant.



Dennoch kann man sich als Kinobesucher in einigen fein beobachteten Details wiederfinden. Zudem haben Regisseur Tobi Baumann ("Der Wixxer") und Autor Tommy Jaud mit einem breit gestreuten Gag-Feuerwerk dafür gesorgt, dass die unterschiedlichsten Humorbedürfnisse befriedigt werden: Von infantilen "Meine Schwester ist so dick"-Witzchen und Macho-Sprüchen über derbe, flache und grobe Scherze bis hin zu subtileren Gags ist für fast jeden Geschmack etwas dabei. Der von Pocher vollmundig angekündigte "lustigste Film der letzten Jahre" ist es freilich nicht geworden - einigermaßen trainierte Lachmuskeln dürften sich gegen den harmlosen Angriff ganz gut wehren können.



Das Schönste an dieser fetten Ladung Humor: Sie wird vom Hirn restlos abgebaut - am nächsten Tag hat man sie garantiert vergessen. Auch die soliden Nebendarsteller (darunter Newcomer Oliver Fleischer als Simons bäriger Busenfreund) hinterlassen keinen bleibenden Eindruck, und die Gastauftritte von Comedy-Stars wie Anke Engelke oder Herbert Feuerstein sind zu kurz, um eigene Akzente setzen zu können. So avanciert die Stadt Köln mühelos zum zweiten Hauptdarsteller des Films.



Eine stringente Handlung gibt es nicht - die Story ist ungefähr so spartanisch wie in "300". Doch Baumann hat immerhin ein paar nette optische Einfälle (wie etwa ein ICE, der durch Simons Wohnung rauscht) und schafft es, das relativ flotte Tempo bis zum Ende durchzuhalten. Für eine bestimmte Zielgruppe ist der Film jedenfalls ideal: für frustrierte männliche Singles - und solche, die es werden wollen!



Fazit: Unbeschwerte Unterhaltung ohne Nach- und Nebenwirkungen.

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Datum:  12.4.2007
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