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FILM DER WOCHE

Verwünscht

Was wäre, wenn eine Märchenprinzessin aus frühen Disney-Meisterwerken wie "Schneewittchen und die sieben Zwerge" oder "Aschenputtel" plötzlich in einer modernen, schnelllebigen Millionenmetropole auftauchen würde? Dieser amüsanten Frage geht Disney-Regisseur Kevin Lima ("102 Dalmatiner") in seiner hinreißend romantischen Komödie "Verwünscht" mit einer gepfefferten Portion Selbstironie nach.



Der Film beginnt im klassischen 2-D-Zeichentrickstil. Die Märchenwelt ist in hellem Aufruhr. Prinz Edward und seine geliebte Giselle wollen heiraten. Doch es gibt jemanden, dem die anstehende Hochzeit gar nicht in den Kram passt: Die finstere Königin Narissa sieht ihren Einfluss auf die Geschicke des Reichs schwinden. Darum stößt sie die unerwünschte Stieftochter am Tag der royalen Vermählung kurzerhand in einen magischen Brunnen.



Von da an bekommt es der Zuschauer mit realen Charakteren zu tun. Giselle wird nämlich durch ein Dimensionstor geschleudert und kommt mitten auf dem Times Square aus einem Gully gekrochen. Verloren wandelt sie durch den ruppigen Big Apple. Mit ihrer stets freundlichen, offenen Art eckt die herzensgute Prinzessin bei den zynischen New Yorkern überall an - zumindest bis sie dem schnieken Scheidungsanwalt Robert über den Weg läuft. Auch wenn dieser partout nicht an die Liebe auf den ersten Blick glauben mag, ist es schnell um ihn geschehen ...



Die in Deutschland bisher nahezu unbekannte Amy Adams (Oscar-nominiert für "Junebug") entpuppt sich in Rekordzeit als Traumbesetzung. So wie sie fröhlich singend durch das alltägliche New Yorker Verkehrschaos tänzelt, muss man die gutmütig-naive Giselle einfach ins Herz schließen. Und spätestens bei der lebensbejahenden Musicaleinlage im Central Park schmilzt auch der letzte Eisklotz dahin. In der Rolle des miesepetrigen Anwalts muss Patrick Dempsey nur verdammt gut aussehen. Eine lösbare Aufgabe, die das "Grey's Anatomy"-Schnuckelchen mit Bravour meistert. Und Susan Sarandon steuert mit ihrer augenzwinkernd-diabolischen Darstellung der garstigen Stiefmutter einen ebenbürtigen Bösewicht bei.



Im ersten Moment lässt die Story auf Märchenkitsch pur schließen. Doch Kevin Lima begnügt sich nicht damit, das übliche Disney-Schema einfach nur zu kopieren. Vielmehr zieht er die allseits bekannten Klassiker des "Mäusestudios" genüsslich durch den Kakao. Wenn Giselle in Roberts Appartement ihren tierischen Putzsong anstimmt, stürmen nicht etwa Rehe und Waschbären, sondern Ratten und Kakerlaken herbei, um Ordnung in den Laden zu bringen. Nach 80 Jahren hat man bei Disney offenbar endlich gelernt, über sich selbst zu lachen. Und so kommen sowohl Zuckerwattefans als auch Süßspeisenverächter voll auf ihre Kosten.

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Datum:  20.12.2007
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