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FILM DER WOCHE

The Good German

Er ist zweifellos einer der interessantesten Filmemacher der Gegenwart: Seitdem er 1990 mit seinem sensationellen Regiedebüt "Sex, Lügen und Video" in Cannes die Goldene Palme gewann, balancierte Steven Soderbergh wie kein anderer auf dem schmalen Grat zwischen engagiertem, experimentierfreudigem Kino und cleverem Entertainment - mit insgesamt 16 Filmen, darunter "Ocean's Eleven", "Out of Sight", "Erin Brockovich", "Kafka", "Solaris" und "Traffic", für den er 2001 den Regie-Oscar bekam. Nun präsentiert er mit der Verfilmung von Joseph Kanons Roman "In den Ruinen von Berlin" eine ambitionierte Hommage an den Film Noir der 40er Jahre.



Die Story ist, wie es sich gehört, ziemlich undurchsichtig und spielt unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg in Berlin: Dort soll der US-Journalist Jake (George Clooney) über die Potsdamer Friedenskonferenz berichten. Stattdessen wird er in ein mysteriöses Mordkomplott verstrickt. Dabei trifft er seine Ex-Geliebte wieder - Lena (Cate Blanchett), eine Deutsche, die ein dunkles Geheimnis verbirgt, hinter dem auch die amerikanischen und russischen Besatzer her sind ...



Am Schluss, so viel sei verraten, steigt jemand im Regen in eine Propellermaschine, und jemand anders bleibt auf dem Rollfeld zurück. Doch Soderbergh zitiert nicht nur inhaltlich Klassiker wie "Casablanca" und "Der dritte Mann", sondern zieht auch technisch alle Register, um die Atmosphäre der 40er Jahre zu beschwören: Er drehte, wie damals üblich, ausschließlich auf Studiogelände und ergänzte die Sets mit Archivaufnahmen. Als Kameramann (unter seinem gewohnten Pseudonym Peter Andrews) verwendete er lediglich Objektive jener Zeit, arbeitete mit Rückprojektionen für die Hintergründe (zum Beispiel bei Autofahrten) und zauberte effektvolle Schwarz-Weiß-Aufnahmen mit Rauchgekräusel im Gegenlicht und sinnlichen Schatten auf den Gesichtern. Als Cutter (einmal mehr unter dem Pseudonym Mary Ann Bernard) setzte er bei den Szenenübergängen auf traditionelle Wischblenden und Reißschwenks. Unterstützen ließ er sich durch einen fetten Orchester-Soundtrack im alten Stil, für den Thomas Newman zu Recht eine Oscar-Nominierung erhielt.



Von seinen Darstellern verlangte Soderbergh, so theatralisch und melodramatisch zu agieren wie die Stars der 40er Jahre - und Sätze wie "Du hättest nicht nach Berlin zurückkehren sollen" möglichst ironiefrei zu sprechen. Cate Blanchett gelingt das perfekt: Ihre schöne, rätselhafte, unnahbare Lena weckt Erinnerungen an Marlene Dietrich in Billy Wilders "A foreign affair" - eine Femme fatale vom Feinsten. Dass George Clooney alias Jake ihr verfällt, erscheint geradezu unvermeidlich.



Dabei hat es der arme Clooney im fünften Leinwand-Auftritt unter seinem Lieblingsregisseur wahrlich nicht leicht: Erstens muss der bekennende Nichtraucher hier als zynischer Bogart-Verschnitt ständig filterlose Fluppen in die Ruinen schnippen, zweitens wird er beinahe in jeder zweiten Szene verprügelt. Und wozu das Ganze? Für eine zwar virtuose, aber auch etwas leblose und nicht sonderlich packende Stilübung. Immerhin ist der engelsgesichtige Tobey Maguire endlich mal hübsch gegen den Strich besetzt: In der Rolle von Jakes Fahrer entpuppt er sich schon bald als skrupelloser, völlig korrupter Schwarzmarkt-Händler - sozusagen als "The Bad American".



Fazit: Stilistisch perfekte und bestens besetzte Verbeugung vor dem klassischen Film noir - clever und cool, aber auch ein wenig unterkühlt.

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Datum:  1.3.2007
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Julia Sextl

Relativ häufig muss ich kurzfristig ein Taxi bestellen, um noch pünktlich zu einem Termin zu kommen. Meistens stehe ich schon auf der Straße, wenn der Wagen