Für "Trekker" oder "Trekkies", wie sich Anhänger des Star-Trek-Franchises selbst nennen, kommen die ersten Szenen des nunmehr elften Leinwandabenteuers des Raumschiffs Enterprise einem Kulturschock gleich: Der romulanische Bösewicht Nero (Eric Bana) reist in die Vergangenheit und tötet einen Captain der Sternenflotte. Dessen neugeborener Sohn James Tiberius Kirk wächst fortan ohne die Führung eines Vaters auf. Durch diesen Kniff ist alles, was sich in sechs Star-Trek-TV-Serien und zehn Kinofilmen zugetragen hat, plötzlich hinfällig. Für fanatische Fans, die sich zum Teil ihr ganzes Leben lang mit jedem noch so kleinen Detail des fiktiven Universums beschäftigt haben, ist das ein Schlag ins Gesicht. Für Neueinsteiger und reguläre Kinogänger entpuppt sich dieser Kunstgriff des "Lost"-Schöpfers J.J. Abrams hingegen als wahrer Glücksfall.
James T. Kirk (Chris Pine) ist ein echter Draufgänger. Als er - mal wieder - in eine Kneipenschlägerei gerät, nimmt ihn ein alter Freund seines Vaters beiseite, der den rebellischen Jungspund dazu ermutigt, es doch mal an der Sternenakademie zu versuchen. Kirk folgt dem Rat und gerät als notorischer Mogler bald mit dem überkorrekten Halb-Vulkanier Spock (Zachary Quinto) aneinander. Kirk soll wegen seiner Verfehlungen von der Weltraum-Uni verwiesen werden, doch ehe es dazu kommt, fordert ein Notfall die volle Aufmerksamkeit der Nachwuchskadetten: Ein mächtiges romulanisches Raumschiff nähert sich Spocks Heimatplaneten Vulkan...
Während sich die letzten Star-Trek-Abenteuer oftmals als reine Insider-Veranstaltungen entpuppten, überzeugt der neue Film als ungemein kurzweilige Mixtur aus Weltraum-Soap, Science-Fiction-Trash und Blockbuster-Action. In einer Sequenz rast der kindliche Kirk in waghalsiger James-Dean-Manier mit einer Corvette auf eine Schlucht zu. Allein diese Szene zeigt, mit welch grenzenloser Selbstironie sich J.J. Abrams, der vor Beginn der Dreharbeiten übrigens kein sonderlicher Fan der Reihe war, seiner Aufgabe widmet. Er nimmt das Star-Trek-Universum nicht übermäßig ernst, hat auch gegen eine anständige Portion Humor nichts einzuwenden und klaut hier und da sogar beim Konkurrenten "Star Wars" (etwa die Optik des Eisplaneten).
Das Ergebnis ist ein moderner Blockbuster, wie man ihn sich wünscht. Es kracht ordentlich, es gibt viel zu lachen, und sogar für Romantik ist noch Platz, immerhin bändelt Spock mit der sexy Kommunikationsoffizierin Uhura (Zoe Saldana) an. Und schließlich kommen auch "Trekker" noch auf ihre Kosten: Ur-Spock Leonard Nimoy, mittlerweile stolze 78 Jahre alt, absolviert einen ausgedehnten Cameo-Auftritt, der sich gewaschen hat.
Fazit: Humorvolles Effektspektakel - nicht nur für "Trekkies".