Manchmal ist es besser, wenn man vor dem Kinobesuch so wenig wie möglich über den Inhalt des Films weiß. So auch in diesem Fall: Denn "Sieben Leben" läuft nicht nach dem üblichen Handlungsschema eines Hollywoodfilms ab, sondern setzt seine raffiniert konstruierte Geschichte erst nach und nach wie ein Puzzle zusammen. Als Zuschauer tappt man lange Zeit gebannt und gespannt im Dunkeln: Wer ist dieser Ben (Will Smith), der Mann mit dem tieftraurigen Lächeln? Ben arbeitet als Steuerfahnder fürs Finanzamt. Doch anscheinend geht es ihm gar nicht ums Geld, sondern um moralische Fragen. Offenbar quält ihn ein dunkles Geheimnis aus seiner Vergangenheit; offenbar plant er etwas Großes für die Zukunft: Er will das Leben von sieben fremden Menschen verändern. Wichtigste Nutznießerin seiner Mission ist die bankrotte, schwer herzkranke Emily (Rosario Dawson), die auf eine lebensrettende Transplantation hofft. Sie weckt in Ben unerwartete, tief verschüttete Gefühle - doch die zart aufblühende Liebe zu ihr stellt ihn schließlich vor eine schreckliche Entscheidung...
Eine Frau, die unter ihrer schweren Schuldenlast leidet und deren Herz bald zu versagen droht - und ein Mann, der die Last einer schweren Schuld mit sich herumschleppt und dessen Herz längst völlig verkrustet ist: Mit umwerfendem Charme und packender Intensität stürzen sich die beiden Hauptdarsteller in diese wunderschöne, bitterzarte Liebesgeschichte. Rosario Dawson ("Sin City") spielt Emily mit einer anrührenden Mischung aus unbändigem Lebensmut und existenzieller Verzweiflung, und Will Smith macht Bens großen Schmerz geradezu körperlich spürbar, ohne dabei in Selbstmitleid zu verfallen.
Der einstige Spaß-Rapper, schon seit Langem Hollywoods witzigster Action-Held und mittlerweile der größte Box-Office-Star des Kino-Universums, beweist damit einmal mehr seine erstaunliche Vielseitigkeit. Mit seinen Oscar-nominierten Leistungen in "Ali" und "Das Streben nach Glück" hatte Smith bereits erfolgreich ernste Töne angeschlagen. Gabriele Muccino, Regisseur des letztgenannten Films, inszenierte nun auch "Sieben Leben". Der Italiener, der nach seinem kleinen Meisterwerk "Ein letzter Kuss" inzwischen in den USA Fuß gefasst hat, lässt sich viel Zeit beim Erzählen der Geschichte - und gibt den durchweg glänzenden Schauspielern (darunter auch Woody Harrelson als blinder Pianist) genügend Raum, ihre Figuren zu entfalten.
Als Europäer sorgt er dafür, dass dieser Film einige für Hollywood äußerst ungewöhnliche Qualitäten aufweist: Er behandelt große Themen (wie etwa wahre Liebe, Vergebung oder den Sinn des Lebens) mit beinahe alttestamentarischer Wucht, ohne zu predigen. Er deutet viele Dinge lediglich subtil an, anstatt sie platt auszuwalzen. Er hält am Ende einen Hoffnungsschimmer bereit und drückt dabei gleichzeitig gekonnt auf die Tränendrüse, ohne aber in Kitsch abzugleiten. So gelingt ihm ein seltenes Kunststück: ein bewegendes, aber ganz unschnulziges Drama, das noch lange nachwirkt und selbst hartgesottene Kritiker zum Taschentuch greifen lässt.
Fazit: Nicht zuletzt dank der brillanten Darsteller trifft dieses originelle, höchst emotionale Drama mitten ins Herz.