Kate (Catherine Zeta-Jones), Chefköchin in einem Nobelrestaurant, blüht nur in ihrer Arbeit auf: Zwischen Pfanne und Pfeffermühle fühlt sie sich wohl. Ihr Privatleben köchelt dagegen auf Sparflamme vor sich hin - ihre Gefühle lagern irgendwo in der Kühlkammer. Doch dann gerät das präzise und perfekt geplante Leben der einsamen Kochkünstlerin völlig aus dem Rezept, pardon, aus dem Konzept: Nach dem Tod ihrer Schwester zieht ihre neunjährige Nichte Zoe (Abigail Breslin) bei ihr ein - und Kate kann mit ihr ebenso wenig anfangen wie Zoe mit Kates Gänseleberpastete. Zudem wirbelt plötzlich ein neuer Koch an ihrem heiligen Arbeitsplatz herum: Nick (Aaron Eckhart) schmettert beim Zubereiten der Speisen italienische Arien, versprüht überhaupt tonnenweise südländischen Chaoten-Charme, gewinnt sofort das Vertrauen der kleinen Zoe und ist offenbar für jeden Spaß zu haben. Mit anderen Worten: ein rotes Tuch für Kate. Die braucht eine Weile, um zu erkennen, was ihr neuer Kollege für eine Delikatesse ist ...
Die Story kommt Ihnen irgendwie bekannt vor? Kein Wunder: Sie wurde nämlich schon einmal verfilmt - von Sandra Nettelbeck unter dem Titel "Bella Martha". Nachdem der Film weltweit zum Überraschungshit avancierte, kamen findige US-Produzenten auf die Idee, das bewährte Erfolgsrezept einfach mit amerikanischen Stars noch einmal nachzukochen. So wurde "Bella Martha" nun als einer der wenigen deutschen Filme durch Hollywoods Remake-Mühle gedreht.
Dabei geriet der Stoff durchaus in gute Hände: Regisseur Scott Hicks ("Shine") setzte die von Hamburg nach New York verlegte Geschichte sensibel in Szene, hielt sich erstaunlich nahe ans Original und konnte sich auf souveräne Darsteller stützen. Anders als in den "Zorro"-Filmen agiert Catherine Zeta-Jones hier angenehm zurückhaltend; ihre Tanzausbildung kommt ihr in den sorgfältig choreografierten Kochkunst-Szenen zugute. Dank eines kulinarischen Crashkurses merkt man kaum, dass sie zuvor - laut eigenen Angaben - vom Kochen nicht die leiseste Ahnung hatte. Schließlich darf sie sogar noch mit dem berühmt-berüchtigten Tischtuch-Trick glänzen. An ihrer Seite schlägt sich Aaron Eckhart ("Thank You For Smoking") recht wacker, wenngleich man kaum erotische Anziehung zwischen den beiden spürt: Da sprühen keine Funken, da spritzt bloß ein bisschen Fett in der Pfanne. Aber zum Glück gibt es noch Abigail Breslin - die Titelheldin aus "Little Miss Sunshine" beweist hier erneut ihr umwerfendes Schauspieltalent.
Also alles gut so weit? Im Prinzip ja, würde Radio Eriwan sagen, wenn ... ja, wenn es nicht das Original gäbe. Das ist und bleibt nämlich schlicht und ergreifend noch eine Spur besser. Hollywood hat die Geschichte halt doch ein bisschen geglättet und etwas Zuckerguss hinzugefügt - nicht viel, zugegeben, aber immerhin so viel, dass die besondere Würze der Vorlage ein wenig auf der Strecke blieb. Und vor allem hat Martina Gedeck mit "Bella Martha" eine rauere, doch dafür glaubwürdigere, vielschichtigere und anrührendere Hauptfigur erschaffen. "Die selbst kreierten Rezepte sind stets am besten", heißt es treffend im Film. Wer also ein wirklich originelles Haute-Cuisine-Kinovergnügen sucht, der sollte noch drei Wochen warten: Dann startet "Ratatouille". Mit einer Ratte als Chefkoch.
Fazit: Überflüssiges, aber durchaus gelungenes Hollywood-Remake von Sandra Nettelbecks Überraschungserfolg "Bella Martha".