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FILM DER WOCHE

Rendezvouz mit keuschen Vampiren

Twilight

Foto: epd / Concorde Filmverleih

Der Hype ist ungebrochen. Auch der dritte Film der Twilight-Reihe hat in den USA erneut einige Rekorde anderer Streifen an den Kinokassen pulverisiert. Der anhaltende Starkult um die Hauptdarsteller hat Kristen Stewart erst vor Kurzem zu der unsinnigen Bemerkung bewogen, ihr Leben mit den Paparazzi mit dem eines Vergewaltigungsopfers gleichzusetzen. Nachdem "New Moon" von Regiehandwerker Chris Weitz zwar finanziell ein voller Erfolg war, aber künstlerisch eher auf Sparflamme köchelte, ruhten die Hoffnungen nun auf dem neu verpflichteten David Slade. Dieser hatte mit "30 Days of Night" zwar bereits einen überzeugenden Vampir-Thriller abgeliefert, kann die in ihn gesetzten Erwartungen aber kaum erfüllen. "Eclipse" erreicht lediglich das höchst durchschnittliche Niveau des Vorgängers, ohne dabei mit frischen Ideen aufzuwarten.



Um nicht auf der Stelle seinen Kopf zu verlieren, musste Edward (Robert Pattinson) dem mächtigen Clan der Volturi am Ende von "New Moon" versprechen, seine Geliebte Bella (Kristen Stewart) möglichst bald zum Vampir zu machen. Allerdings besteht Edward darauf, dass Bella ihn heiratet, bevor er seine Zähne in ihrem Hals versenkt. Bella würde mit ihrem Vampir hingegen am liebsten gleich in die Kiste hüpfen, um zumindest einmal sexuelle Ekstase als Mensch zu erleben. Als Werwolf Jacob (Taylor Lautner) von Bellas bevorstehender Verwandlung erfährt, kocht er vor Eifersucht. Unterdessen züchtet im nahen Seattle die rothaarige Victoria (Bryce Dallas Howard) eine Armee von neugeborenen Vampiren heran, um sich an Bella und Edward für den Tod ihres Liebhabers James zu rächen. Um die Gefahr abzuwenden, müssten Werwölfe und Vampire zusammenarbeiten. Doch diese Spezies konnten sich bekanntlich noch nie gut riechen ...



Die üblichen Vorwürfe gegen die "Twilight"-Saga von Stephenie Meyer treffen auch auf "Eclipse" zu. Das Liebesdreieck Edward-Bella-Jacob erinnert gefährlich an die Konstellation einer Rosamunde-Pilcher-Schmonzette, wie das ZDF sie sonntagabends als Gegenprogramm zum ARD-"Tatort" ausstrahlt. Und wenn Teenies in Highschool-Komödien 90 Minuten über ihr anstehendes erstes Mal philosophieren, ist das oft schon schlimm genug. Aber Edward und Bella diskutieren nun schon geschlagene drei Filme hindurch, ob sie es tun sollen oder nicht. Auch wenn Keuschheit unter amerikanischen Jugendlichen wieder "in" zu sein scheint, geht einem das ständige Hin und Her inzwischen ziemlich auf den Keks.



Bei "Eclipse" kommt nun noch erschwerend hinzu, dass er offensichtlich gar nicht mehr als eine bloße Bebilderung der Roman-Highlights sein möchte. Liegen in der Vorlage zwischen zwei bedeutungsschwangeren Dialogen zehn Seiten, reiht sich im Film ein dramatischer Höhepunkt an den nächsten, weshalb diese irgendwann nur noch wirkungslos verpuffen. Es fehlen immer wieder nötige Hintergrundinfos, um die Handlungen und Motivationen der Figuren auch ohne Kenntnis der Vorlage nachvollziehen zu können. Warum Jacob etwa vor dem Finale mit Selbstmord droht und Bella ihn daraufhin küsst, versteht (zumindest in der Tiefe) nur, wer zuvor den Roman verschlungen hat. Dafür sind David Slade zumindest Actionszenen und Werwolf-Animationen bedeutend besser als seinen Vorgängern gelungen.



Fazit: Für Fans, die den Roman eh in- und auswendig kennen. Unkundige Kinogänger werden hingegen mit viel zu oberflächlichen Erklärungen abgespeist, um wirklich in das "Twilight"-Universum einsteigen zu können. Christoph Petersen



USA, 124 Minuten,ab 12 Jahren;



Cinemaxx (alle), Streits,Hansa-Filmstudio, UCI (alle)



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Datum:  15.7.2010
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