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FILM DER WOCHE

Radio Rock Revolution

Sein Name ist hierzulande noch immer fast völlig unbekannt. Dabei gehört Richard Curtis zu den einflussreichsten Persönlichkeiten des britischen Kinos: Von ihm stammen unter anderem die Drehbücher zu Kassenschlagern wie "Vier Hochzeiten und ein Todesfall", "Notting Hill" und den "Bridget Jones"-Filmen. Er schrieb und inszenierte den Weihnachts-Kinohit "Tatsächlich...Liebe". Und gilt als DER Spezialist für romantische Komödien - unzählige Male hat er sich erfolgreich mit der Liebe beschäftigt. In seiner zweiten Regiearbeit widmet er sich nun seiner größten Liebe: der Popmusik.



Curtis erinnerte sich an seine Jugend, an die 60er Jahre in England: Mit Bands wie den Beatles, den Rolling Stones, den Kinks oder The Who erreichte die Rockmusik ihren ersten Höhepunkt - doch die staatlichen Radiostationen der BBC weigerten sich strikt, solch subversive Songs zu spielen. Dafür gab es aber Piratensender, die rund um die Uhr Rock'n'Roll brachten, und rund 25 Millionen Briten hörten täglich zu - mehr als die Hälfte der Bevölkerung!



Berühmtester Privatsender war damals Radio Caroline, der von einem Schiff in der Nordsee aus operierte. In Curtis' Film heißt die Station Radio Rock und versammelt auf einem vor der britischen Küste tuckernden Musikkahn einen schillernden, schrulligen Haufen von Radiomoderatoren, die die Ideale von Sex, Drugs & Rock'n'Roll nicht nur propagieren, sondern auch täglich vorleben. Das ist dem ultrakonservativen Minister Dormandy ein Dorn im Auge - der Bluthund will sich politisch profilieren und versucht mit allen Mitteln, den Piratensendern den Saft abzudrehen. Doch wie wir inzwischen wissen: Rock'n'Roll will never die!



Curtis' Drehbuch weist ähnlich wie Robert Altmans "M*A*S*H" eine stark episodenhafte Struktur auf: Der etwas zu lang geratene Film wirkt wie eine Aneinanderreihung von Sketchen, die nicht alle gleich gut zünden. Sein großer Trumpf ist allerdings das sagenhaft spielfreudige Starensemble, angeführt von Kenneth Branagh: Der Shakespeare-Mime hatte offensichtlich einen Heidenspaß daran, den miesmuffeligen Minister Dormandy als spießigen Bürohengst und skrupelloses Ekelpaket zu zeichnen. Bill Nighy, unvergessen als abgewrackter Rockstar in "Tatsächlich...Liebe", gibt hier würdevoll den obercoolen Schiffskapitän und Boss des Piratensenders. Aus der schrägen Schar der Radiomoderatoren ragen zwei besonders heraus: Oscar-Preisträger Philip Seymour Hoffman ("Capote") als amerikanischer Star-DJ The Count und Rhys Ifans, bekannt geworden als Hugh Grants versiffter WG-Kumpel in "Notting Hill", in der Rolle des sagenumwobenen Mikrofon-Sexgottes Gavin. Emma Thompson, ab heute auch in "Liebe auf den zweiten Blick" im Kino zu sehen, schaut hier für einen hinreißend derben Gastauftritt auf dem Boot vorbei.



Heimlicher Hauptdarsteller ist indes die Musik der späten 60er: Mehr als 50 Songs vereint der hervorragende Soundtrack. So gelingt Curtis ein warmherziger, liebenswerter Film über Freundschaft, Anarchie und die heilende Kraft des Rock'n'Roll. Willkommen an Bord!



Fazit: Britische Gute-Laune-Komödie der Extraklasse. Dieser Film rockt wirklich!

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Datum:  16.4.2009
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