Wasser ist sein Element. Das hat der in Emden geborene Regisseur Wolfgang Petersen schon mit seinem Klassiker "Das Boot" und dem Hollywood-Streifen "Der Sturm" bewiesen. Nun knöpfte er sich die "Poseidon" vor.
1972 bereits hatte "Die Höllenfahrt der Poseidon" für Furore gesorgt und eine Reihe Katastrophenthriller wie "Flammendes Inferno" und "Erdbeben" nach sich gezogen. Damals führten Gene Hackman und Ernest Borgnine eine kleine Truppe Überlebender an, für die Spezialeffekte gab es sogar eine Oscar-Nominierung; heute wirken sie eher dürftig. Nicht so bei Petersen: Die Monsterwelle, die den Luxusliner "Poseidon" buchstäblich umkippt, ist dank Computertechnik beeindruckend in Szene gesetzt. Und auch er konnte mit Kurt Russell und Richard Dreyfuss zwei veritable Altstars verpflichten.
Dreyfuss spielt den schwulen Architekten Richard, der sich aus Liebeskummer eigentlich gerade über Bord stürzen will, als er die riesige Welle heranrasen sieht. Er schafft es noch, sich in den Festsaal des Schiffes zu retten, wo gerade eine große Silvesterparty steigt, als es auch schon seitlich von dem Tsunami getroffen wird.
Der Kreuzer kentert und treibt kieloben. Logisch, dass der Weg an die Wasseroberfläche in diesem Fall nur durch den Rumpf führen kann. Logisch auch - es ist ja ein Katastrophenfilm -, dass die meisten Leute unbelehrbar sind und lieber an Ort und Stelle bleiben wollen, um auf Rettung zu warten. Und natürlich werden sie später auf grausame Weise sterben. So macht sich also nach kurzer Diskussion nur ein kleines Häuflein Passagiere auf den gefahrvollen Weg durch den Schiffsbauch. Unter Führung des Ex-Feuerwehrmannes Robert (Russell) und des smarten Spielers Dylan (Josh Lucas) kraxeln bald Richard, Maggie und ihr kleiner Sohn Conor, Roberts Tochter samt Freund und Elena, die als blinder Passagier an Bord war, durch enge Schächte und brennende Maschinenräume Richtung Schiffsschraube. Dort vermuten sie den einzigen Weg nach draußen.
Wer sich nun von Petersen Action mit ein wenig Tiefgang erhofft hat, wird enttäuscht. Es scheint in Hollywood ein "Handbuch für Katastrophenfilme" zu kursieren, und der Regisseur arbeitet brav Punkt für Punkt ab: Der Held weiß alles und tut in jeder Situation das Richtige, es gibt wenigstens einen in der Truppe, der ständig meckert. Das Kind ist nervig und bringt alle dauernd in Gefahr; das Liebespaar ist noch viel nerviger, säuselt sich Sachen ins Ohr wie "Baby, sag mir, dass du mich liebst. Nur darauf kommt es jetzt an!" - während drumherum die Leute wie die Fliegen sterben. Ferner sind noch ein, zwei Langweiler nötig, die bald dahinscheiden. Das Ganze wird garniert mit dummen Dialogen ("Ich kenne den Mann von irgendwo her." - "Ja, mein Vater war Bürgermeister von New York. Aber da war ich noch klein.") und ziemlich ausgefallenen Todesarten.
Doch mal ehrlich: Wer Filmkunst sehen möchte, wird sich ohnehin kaum in diesen Streifen verirren. Wolfgang Petersen hat das Genre bestimmt nicht neu erfunden, aber seine "Poseidon" ist straff inszeniert und tricktechnisch auf der Höhe der Zeit, er liefert sehr gut gemachte Unterhaltung. Und in einem Interview verriet der Regisseur kürzlich, er hoffe für 2007 auf einen Filmstoff, der Oscar-würdig sei. Na also! Warten wir mit dem Tiefgang eben noch ein bisschen.
Fazit: Höchst spannendes Popcorn-Kino.