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FILM DER WOCHE

Operation Walküre

Das Gezeter war heftig auf beiden Seiten des Atlantiks, als bekannt wurde, dass ausgerechnet Tom Cruise den deutschen Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg spielen würde. Zugegeben, der Star hat in den vergangenen Jahren ausnahmslos für Negativ-Schlagzeilen gesorgt. Wie ein Irrer hopste er beispielsweise in der TV-Talkshow von Oprah Winfrey auf dem Sofa herum (er wollte so seine Liebe zu Ehefrau Katie kundtun), das einflussreiche Paramount-Filmstudio trennte sich nach 14 Jahren so gar nicht einvernehmlich von seinem einstigen Zugpferd, in seiner Paraderolle als Ethan Hunt in den "Mission Impossible"-Actionkrachern soll der 46-Jährige durch einen Jüngeren ersetzt werden. Und vor allem: Darf ein ranghoher Scientologe überhaupt eine Figur wie Stauffenberg darstellen?



Nun, er tat es einfach, und nach einigem Hin und Her erhielt die Crew sogar die Erlaubnis, im historischen Bendlerblock in Berlin zu drehen. Im Dezember bereits hatte "Operation Walküre" in den USA seine recht wohlwollend aufgenommene Premiere, und auch die Einspielergebnisse seitdem können sich sehen lassen. Die Gegner, die sich schon formiert hatten, bevor überhaupt die erste Klappe fiel, dürften denn auch hierzulande schnell verstummen - historische Ungenauigkeiten gibt es nicht, Cruise spielt angenehm zurückhaltend, Kitsch á la Hollywood fehlt völlig.



Der Film beginnt im April 1943 in Tunesien. Während sein General vom "Endsieg" faselt, schreibt Stauffenberg in seinem Zelt Tagebuch. Schon längst sind dem einstigen Hitler-Verehrer die Nazis und ihr Schreckensregiment zuwider. Beim bald darauf folgenden Fliegerangriff wird Stauffenberg schwer verwundet, verliert seine rechte Hand, zwei Finger der linken und sein linkes Auge. Zurück in Deutschland, reift in ihm und seinen Mitverschwörern der Plan, Hitler zu töten.



Regisseur Bryan Singer ("Die üblichen Verdächtigen", "X-Men") findet starke, symbolträchtige Bilder: So will die Familie Stauffenberg es sich einmal gerade zu Wagner-Musik im Wohnzimmer gemütlich machen, als ein Luftangriff sie in den Keller zwingt. Oben hüpft durch die Bombenerschütterungen die Nadel auf die Platte zurück - und spielt den Walkürenritt. Während General Olbricht mit Stauffenberg in einer Kirche über das Attentat spricht, fährt die Kamera nach oben - das Kirchendach ist längst zerstört. Einmal wird Stauffenberg regelrecht zum Hitlergruß genötigt; nach kurzem Zögern reckt er trotzig seinen rechten Arm in die Höhe - es ist der Arm, an dem die Hand fehlt.



In den letzten Jahren hat Singer eher "laute" Filme gemacht; bei "Operation Walküre" gelingt es ihm und Drehbuchautor Christopher McQuarrie (Oscar für "Die üblichen Verdächtigen"), die Balance zu halten zwischen den vielen Dialogen und packenden Szenen. Wenn Stauffenberg etwa mit seiner verkrüppelten Hand verzweifelt versucht, den Zünder der Bombe scharfzumachen, oder nach dem Attentat vom Gelände der Wolfsschanze fortzukommen, wagt man kaum, Luft zu holen.



Die Besetzung ist großartig, gerade, weil außer Cruise keine weiteren Topstars mitspielen, sondern solide Darsteller aus der "zweiten Reihe", wie Tom Wilkinson, Bill Nighy, Terence Stamp, Christian Berkel und Thomas Kretschmann. Einziges Manko: Cruise und Singer scheinen so ängstlich darauf bedacht gewesen zu sein, nirgends anzuecken, dass dem Drama doch ein wenig Herzblut fehlt.



Fazit: Etwas zu glatt, aber dennoch ein packendes und gut gespieltes Geschichtsdrama.

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Datum:  22.1.2009
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