Kopf oder Zahl?" Wenn Anton Chigurh das fragt und eine Münze wirft, hat sein Opfer noch Glück im Unglück. Schließlich besteht eine 50-prozentige Chance, dass der Killer sein Bolzenschussgerät stecken und sein Gegenüber am Leben lässt. Passiert aber nicht allzu oft.
Das Blut fließt literweise in "No Country for Old Men", dem neuesten Werk der Coen-Brüder. Aber für ihr Talent, exzessive Gewalt mit lakonischem Humor zu paaren, sind die zwei ("Fargo", "The Big Lebowski") ja auch berühmt. Ihr Film beruht auf dem gleichnamigen Roman von Cormac McCarthy: 1980, irgendwo im hitzeflirrenden, öden Grenzgebiet von Texas und Mexiko, stößt der Vietnamveteran Moss (Josh Brolin) auf den Schauplatz eines Massakers. Offenbar war ein Drogendeal schiefgegangen, denn zwischen den Leichen liegt ein Koffer mit zwei Millionen Dollar. Moss nimmt ihn an sich, wohl wissend, dass er ab jetzt ein Gejagter sein wird. Und schon sehr bald sind ihm der Auftragsmörder Chigurh (Javier Bardem), Kopfgeldjäger Wells (Woody Harrelson) und Sheriff Bell (Tommy Lee Jones) auf den Fersen.
Das Katz-und-Maus-Spiel, das sich nun entwickelt und bei dem immer mehr Leute auf der Strecke bleiben, ist an Spannung kaum zu überbieten. Auch nicht an Humor. Und schon gar nicht an Gewalt. Aber genau diese Mischung gelingt den Coens wieder einmal auf beeindruckende Weise. Wo sich eben noch Angst und Schrecken breitmachten, muss man im nächsten Augenblick zumindest schmunzeln.
So ist Javier Bardem ein absolut furchteinflößender Mörder - und trägt doch einen der peinlichsten und unmännlichsten Haarschnitte der Filmgeschichte. Herrlich auch Dialoge wie dieser: Moss, der ahnt, dass die Geschichte nicht gut ausgeht, sagt seiner Frau zum Abschied: "Sag meiner Mutter, dass ich sie liebe". Sie erwidert: "Aber deine Mutter ist doch tot." Darauf Moss: "Dann sag ich's ihr selbst."
Großartig ist Tommy Lee Jones als abgeklärter Sheriff. Fast schon gelangweilt stapft er von Tatort zu Tatort. Er ahnt, dass er ohnehin nichts ausrichten kann, denn sein Land hat sich verändert: Dies ist kein Land mehr für alte Männer.
15 Jahre drehen die Coens schon Filme. Nach den albernen "Ladykillers" (2004) haben sie nun bewiesen, dass sie immer noch hervorragendes, überraschendes Kino machen können.
Fazit: Einfach grandios.