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FILM DER WOCHE

Lady Henderson präsentiert

Prüderie hat in Großbritannien eine lange Tradition. Regisseur Stephen Frears, dem wir Filme wie "Mein wunderbarer Waschsalon" und "Gefährliche Liebschaften" verdanken, weiß selbst ein Lied davon zu singen: "Als ich ein Teenager war", erzählt er, "in den 1950ern, konntest du Fotos von nackten Frauen ausschließlich in einem Magazin namens ,Gesundheit und Tüchtigkeit` sehen." In seinem neuen Film, der auf wahren Begebenheiten basiert, geht Frears weitere 20 Jahre zurück: in die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, als die Engländer noch ein äußerst gespaltenes Verhältnis zur Sexualität hatten - bis in London plötzlich ein Hort der Offenherzigkeit entstand.



Alles beginnt damit, dass die reiche, resolute Lady Laura Henderson (Judi Dench) ziemlich sauer auf ihren Gatten ist: Der hat einfach frühzeitig den Löffel abgegeben - und nun weiß die Witwe nichts mit ihrem vielen Geld und ihrer vielen Zeit anzufangen. Damenkränzchen? Stickerei? Wohltätigkeitsverein? Öde, öde, öde! Nix für die exzentrische Dame. Eine Freundin rät ihr, sich doch erst mal was Schönes zu kaufen - und genau das macht sie auch: Sie erwirbt das leerstehende Windmill-Theater in Soho und rettet es vor dem Verfall. Da sie selbst keinen blassen Schimmer vom Theaterbetrieb hat, engagiert sie den erfahrenen Manager Vivian Van Damm (Bob Hoskins).



Bald schon hat Lady Henderson eine zündende Idee: Sie möchte in ihrem Theater nach Art des Pariser "Moulin Rouge" die erste Nacktrevue Großbritanniens präsentieren. Mit ihrem eigenwilligen Charme und einer gehörigen Portion Unverschämtheit gelingt es ihr tatsächlich, Londons Oberzensor Lord Cromer zu bezirzen und seine Zustimmung zu bekommen. Ihre Revue wird zu einem Skandalerfolg: Bare Brüste auf einer britischen Bühne - very shocking! Doch dann bricht der Krieg über England herein, und in den Londoner Theatern gehen im Bombenhagel reihenweise die Lichter aus. Nur Lady Henderson kämpft tapfer für ihr Windmill: Die Show muss schließlich weitergehen ...



Die echte Laura H. starb übrigens 1944 im Alter von 82 Jahren und hinterließ Van Damm ihr Theater. Die außergewöhnliche Beziehung dieses Dickkopf-Duos steht im Mittelpunkt des Films: Lady Henderson und Van Damm verband eine stürmische Hassliebe. So liefern sie sich spritzige und spitzzüngige Dialog-Duelle, in denen buchstäblich die Fetzen fliegen - ein wahres Feuerwerk trockenen britischen Humors. Das liegt zum einen am geistreichen Drehbuch, zum anderen an den beiden wunderbaren Hauptdarstellern: Judi Dench, vor allem als James Bonds Chefin "M" bekannt, und Bob Hoskins ("Mona Lisa") sprühen vor Spielfreude und verdecken damit mühelos kleinere dramaturgische Schwächen des Films. Der 63-jährige Hoskins ist sogar zum ersten Mal in seiner Karriere völlig nackt zu sehen. Daneben glänzen besonders die bezaubernde Kelly Reilly ("L'auberge espagnole") als Tänzerin und der englische TV-Castingshow-Sieger Will Young, der sich in der Rolle eines Revuesängers als begabter Nachwuchsschauspieler entpuppt.



Ganz nebenbei erweckt Stephen Frears in seinem liebevoll ausgestatteten und elegant inszenierten Wohlfühl-Film eine ganze Epoche wieder zum Leben. Und er kommt deutlich schneller zur Sache als "Ganz oder gar nicht", wo wir bis zum Schluss auf die Arbeiter im Adamskostüm warten mussten: Frears' freizügige Tragikomödie gibt sich von Anfang an frivol, ohne ins Sexistische abzugleiten oder unter die Gürtellinie zu rutschen - eine beinahe unschuldige Hommage an die Schönheit weiblicher Formen.



Fazit: Pfiffige, höchst unterhaltsame Mischung aus Komödie, Drama und Musical mit zwei hinreißenden Hauptdarstellern.

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Datum:  22.6.2006
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Thomas Hirschbiegel

Aufschriften auf Firmenwagen sind immer wieder ein ergötzliches Thema. Jetzt stand ich am Eimsbütteler Markt hinter einem Transporter, auf dem stand: „Vor Ihnen fahren die Maler mit Freude am Beruf.“