Unzählige Leser hat der Jugendroman "Krabat" seit seiner Veröffentlichung 1971 bereits begeistert. Das Buch wurde in 31 Sprachen übersetzt, weltweit gingen etwa 2,1 Millionen Exemplare über die Ladentische. Die Chancen stehen gut, dass die erste Realverfilmung von Otfried Preußlers Mär, die auf einer sorbischen Sage beruht und in der Lausitz spielt, auch die Zuschauer in ihren Bann zieht. Denn das Werk des gebürtigen Rosenheimers Marco Kreuzpaintner ("Sommersturm", "Trade") besteht selbst den Vergleich mit teuren internationalen Fantasy-Produktionen.
Die Story nimmt gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges ihren Anfang: Eine unheimliche Stimme, die er im Traum hört, lockt den Waisenjungen Krabat (David Kross) zu einer geheimnisumwitterten Mühle. Dort wird er in den Kreis der Müllergehilfen aufgenommen. Deren Meister (Christian Redl) lehrt jedoch nicht nur das Müllerhandwerk, sondern auch die Kunst der schwarzen Magie. Bald erwirbt sich Krabat große Kraft und die Fähigkeit, sich wie seine Kollegen in einen Raben verwandeln zu können. Doch der Preis für die Zauberei ist hoch: Jedes Neujahr opfert der mit dem Tod paktierende Meister einen seiner Gesellen - und verlängert so sein eigenes Leben. Als es seinen besten Freund Tonda (Daniel Brühl) erwischt, beginnt Krabat, sich gegen seinen Herrn aufzulehnen. Um dessen finsteren Machenschaften ein Ende zu setzen, braucht er neben einem festen Willen vor allem die Hilfe des Bauernmädchens Kantorka (Paula Kalenberg), in das er sich verguckt hat ...
Erfreulicherweise stellt Kreuzpaintner alles in den Dienst der Geschichte, die sich ums Erwachsenwerden, um Selbstbestimmung und die Kraft der Liebe dreht, aber auch vor der Verführung durch das Versprechen von Macht und den Folgen blinden Gehorsams warnt. Es ist ihm hoch anzurechnen, dass er sein Publikum nicht mit visuellen Effekten zu überwältigen versucht. Gleichwohl ist das Produktionsdesign schlichtweg fantastisch. So überkommt einen etwa schon beim ersten Anblick der eigens für den Film in den rumänischen Karpaten errichteten Mühle ein leichtes Gruseln. Auch sonst trifft der Regisseur mit seinen Bildern ziemlich exakt den düsteren Grundton der Vorlage.
Zur schauerlichen Atmosphäre trägt Christian Redl einen nicht unerheblichen Teil bei. Der versierte Mime umgibt den sinistren Müllermeister mit einer beängstigend morbiden Aura. Der eigentliche Hauptdarsteller, David Kross, der in Detlev Bucks "Knallhart" seinen Durchbruch feierte, fällt dagegen etwas ab. Als Krabat hätte man lieber einen ausdrucksstärkeren Schauspieler gesehen. Vielleicht Daniel Brühl oder Robert Stadlober, die hier "nur" in Nebenrollen Akzente setzen.