Es gab Zeiten, da versetzte die bloße Erwähnung des Wortes "Anspruch" Hollywood-Produzenten in Angst und Schrecken. Doch dann avancierten mit "Das Bourne Ultimatum" und "The Dark Knight" gleich zwei vielschichtige Actionkracher zu Kassenknüllern. Und da in der Traumfabrik bekanntermaßen nur der Profit zählt, ist "Anspruch" plötzlich so angesagt wie nie zuvor. In dieses Segment stößt nun auch "Hellboy - Die Goldene Armee" vor. Mit der Fortsetzung seines Fantasy-Erfolgs "Hellboy" (2004) bietet Regisseur Guillermo del Toro ("Blade 2", "Pans Labyrinth") erneut intelligente Blockbuster-Unterhaltung vom Feinsten.
Nachdem Hellboy (Ron Perlman) und seine Kollegen im ersten Teil einen geheimen Naziverbund aufgemischt haben, bekommen sie es diesmal mit dem Elfenprinzen Nuada (Luke Goss) zu tun. Der tötet sogar seinen eigenen Vater, um die schlafende Goldene Armee zu neuem Leben zu erwecken und mit ihrer Hilfe die Menschheit zu unterjochen. Bevor sich Hellboy und der machtgierige Prinz schließlich im Kampf Mann gegen Mann gegenüberstehen, muss der gutherzige Dämon zunächst mit einer ganzen Reihe unheimlicher Kreaturen und dem Beziehungsstress mit Freundin Liz (Selma Blair) fertig werden.
Das Herzstück des Films ist sein mythologisch angehauchtes Figurenarsenal. Im Zentrum stehen die Agenten der streng geheimen Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen (kurz: B.U.A.P.): Katzenliebhaber Hellboy ist eine Höllenkreatur mit abgeschliffenen Hörnern, einem Schwanz und einem überdimensionierten Vorschlaghammer aus Stein anstelle seiner rechten Hand. Die pyrokinetisch begabte Liz legt mit ihrem feurigen Temperament bisweilen ganze Häuser in Schutt und Asche. Der fischähnliche Abe ist der Denker der Truppe. Und der gasförmige Körper von Neuzugang Johann, einem Protoplasma-Seher, verbirgt sich in einer altertümlichen Taucherglocke. Ansonsten bevölkern noch bissige Zahnfeen, ein haushoher Waldgott, ein vieläugiger Todesengel und eine Horde goldener Krieger die Szenerie. Dabei sind die merkwürdig anmutenden Wesen so visionär ausgestaltet, dass man jedes einzelne im Museum als Kunstwerk an die Wand nageln möchte.
Doch die überbordende Kreativität ist nicht das einzige Pfund des Films. Er hat auch die üblichen Blockbuster-Qualitäten: Für Gefühl sorgen die erste Krise in der Beziehung zwischen Hellboy und Liz sowie Abes vorsichtige Annäherungsversuche an die Elfenprinzessin Nuala. Dank seiner markigen Sprüche hat Hellboy außerdem die Lacher jederzeit auf seiner Seite. Und abwechslungsreiche Actionszenen mit ordentlich Krawumm und erstklassigen Spezialeffekten sind auch reichlich vorhanden. So entpuppt sich "Hellboy 2" als Ü-Ei des Fantasy-Kinos: Statt Spiel, Spaß und Schokolade vereint er Herz, Hirn und Humor.
Die "Hellboy"-Reihe war von Beginn an als Trilogie geplant und hat bisher alle finanziellen Erwartungen erfüllt. Daher können sich Fans definitiv auf einen dritten Teil freuen. Allerdings dürfte dieser noch einige Jahre auf sich warten lassen. Del Toro wird nämlich zunächst einmal die zweiteilige Verfilmung des J.R.R.-Tolkien-Klassikers "Der kleine Hobbit" für Produzent Peter Jackson in Angriff nehmen.
Fazit: Ein visionäres Fantasy-Meisterwerk, das Unterhaltung und Anspruch perfekt in sich vereint.