Es ist unverkennbar: Der kleine Zauberlehrling wird erwachsen. Na ja, zumindest ist er in der Pubertät. Die Geschichten werden düsterer, und Daniel Radcliffe alias Harry Potter ist mittlerweile ein hübscher 16-Jähriger. Das haben auch die Mädchen bemerkt, die kürzlich bei der Londoner Weltpremiere von "Harry Potter und der Feuerkelch" stundenlang im strömenden Regen ausharrten und sich heiser schrien, als Radcliffe endlich über den roten Teppich schritt. Nun ist das vierte Abenteuer, "Harry Potter und der Feuerkelch", in den Kinos.
Das neue Schuljahr auf dem Hogwarts-Internat lässt sich nicht gut an für Harry. Er wird von Albträumen geplagt, seine Narbe schmerzt. Dann erscheint eines Nachts am Himmel das Dunkle Mal, das Zeichen Lord Voldemorts, der ihm immer noch nach dem Leben trachtet. Doch zunächst hat Harry ganz andere Sorgen. Irgendwie ist ein Zettel mit seinem Namen in den Feuerkelch geraten. Das bedeutet, er muss beim Trimagischen Turnier antreten. Und die Aufgaben haben es in sich. Es gilt, sich Feuer speiender Drachen zu erwehren, in der Tiefe eines Sees gegen Dämonen zu kämpfen und nachts in einem gruseligen Heckenlabyrinth einen Pokal zu finden.
Aber das ist gar nichts im Vergleich zu dem Kampf, den Harry, Ron und Hermine gegen ihre Hormone ausfechten müssen. Die spielen nämlich mächtig verrückt. Harry ist verliebt in die hübsche Cho Chang, und zwischen Hermine und Ron kriselt es gewaltig. Zu allem Überfluss steht auch noch der Weihnachtsball bevor ...
Mit Mike Newell ("Vier Hochzeiten und ein Todesfall") führt nun zum ersten Mal ein Brite Regie. Zwar musste auch er sich dem Willen der Produzenten beugen, die offensichtlich Actionszenen für das Wichtigste halten, doch beweist er ein ausgezeichnetes Gespür für die leisen Töne, zeigt mit viel Feingefühl die Sorgen und Nöte der Teenager.
Witzig ist es auch. Etwa wenn die nervige Journalistin Rita Skeeter auftaucht und einfach schreibt, was sie will - ein Seitenhieb auf die britische Skandalpresse. Wenn das Glasauge von "Mad-Eye" Moody (Brendan Gleeson) ein reges Eigenleben führt und Harry eine "erotische" Begegnung mit Myrtle hat. Oder wenn man in der Band, die beim Ball aufspielt, Jarvis Cocker (Pulp) sowie Phil Selway und Johnny Greenwood (Radiohead) entdeckt - berühmte Brit-Rocker. Eine Meisterleistung ist die Szene mit Voldemort, der hier zum ersten Mal (Grauen erregende) Gestalt annimmt. Ralph Fiennes wird damit sicher Filmgeschichte schreiben. Einziges Manko: Newell musste den 800-Seiten-Wälzer von Joanne K. Rowling arg straffen. So bleiben für viele der wunderbaren Nebenfiguren wie Minvera McGonagall (Maggie Smith), Snape (Alan Rickman) oder Hagrid (Robbie Coltrane) nur Kurzauftritte.
Fazit: Einfach eintauchen in die magische Welt von Harry Potter und es genießen.