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FILM DER WOCHE

Harry Potter

Eine riesige Packung von Weasleys Kotz-Pastillen hätten die Warner-Bosse schon verdient gehabt für ihre Entscheidung, "Harry Potter und der Halbblutprinz" acht Monate später (!) als ursprünglich geplant in die Kinos zu bringen. Aber jetzt - endlich: Der Vorhang geht auf, die reale Welt legt sich für 153 Minuten schlafen und das Potter-Universum von Autorin J. K. Rowling erwacht zum sechsten Mal. Und zwar mit einem lauten Knall und zwei ganz leisen Szenen: Die Londoner Millennium Bridge wird von Zauberhand aus den Angeln gehoben. Derweil errötet in einem Café ein junger Mann mit auffälliger Stirnnarbe ob der schönen Kellnerin. Und in einer einsamen U-Bahn-Station betrachtet ein alter Herr mit auffälligem Glitzermantel ein Werbeplakat für schöne Düfte. Die Aufschrift: "It's magic!"



Ja, zauberhaft ist sie in der Tat, die Welt des Harry P., doch düsterer auch, als wir sie beim letzten Mal verlassen haben. Lord Voldemort ist zurückgekehrt, die schwarzbemantelten Todesser werden immer dreister und sogar Hogwarts, das Zauber-Internat, scheint nicht mehr sicher. Schuldirektor Albus Dumbledore (Michael Gambon) möchte Harry (Daniel Radcliffe) auf den entscheidenden Kampf gegen den dunklen Lord vorbereiten: Er überredet Zaubertränke-Lehrer Horace Slughorn (Jim Broadbent) in seine frühere Stellung zurückzukehren. Denn der unterrichtete einst Voldemort.



Aber was führt Draco Malfoy (Tom Felton), Harry liebster Feind, im Schilde? Was sind eigentlich Horcruxe? Und wer ist der ominöse Halbblutprinz, mit dessen altem Schulbuch Harry so geniale Zaubertränke mixt, dass Einser-Schülerin Hermine (Emma Watson) ganz blässlich um die Nase wird? Potter-Fans wissen es längst und am Ende des turbulenten Films wird auch Harry alles verstehen - und seinen wichtigsten Verbündeten im Kampf gegen das Böse für immer verloren haben. Für Eingeweihte ist das wenig spannend, aber trotzdem traurig. Dennoch fließen bei diesem Potter vor allem Lachtränen: Denn tückische Hormone zwicken die Zauberlehrlinge ganz doll. Harry entdeckt an der Schwester seines besten Freundes auf einmal neue Reize, Hermine wird bei Ron (Rupert Grint) recht wuschig, doch der muss erst noch beim Kussmonster Lavender in die Lehre gehen - Knutschen hat "Expelliarmus!" als Entwaffnungszauber eindeutig abgelöst.



Wer aber wildes Potter-Petting erwartet, wird enttäuscht: Daniel Radcliffe hat für das Theaterstück "Equus" zwar unlängst blank gezogen, sein Alter Ego aber zaubert brav nur oberhalb der Gürtellinie. Regisseur David Yates ("Harry Potter und der Orden des Phönix") und Drehbuchautor Steve Kloves (schrieb bereits die ersten vier Potter-Filme) haben sich treulich an J. K. Rowlings zahmes Buch gehalten: Da macht es denn auch gar nix, dass Daniel Radcliffe und Emma Watson zusammen mehr Funken sprühen als mit den ihnen eigentlich zugedachten Liebespartnern.



Die größte Magie geht ohnehin vom britischen Star-Ensemble (Alan Rickman, Helena Bonham Carter, Maggie Smith) aus - allen voran brilliert Bridget-Jones-Papa Jim Broadbent als eitler Professor Slughorn.



Note 2



Fazit: Der lustigste aller Potter-Filme - dicht dran am Zauber der Bücher!

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Datum:  16.7.2009
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