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FILM DER WOCHE

Gran Torino

Abend für Abend sitzt Walt Kowalski auf der Veranda seines Häuschens in einem Vorort von Detroit, trinkt Bier und raucht. Sein Leben lang hat der Korea-Kriegsveteran in einer Autofabrik gearbeitet. Jetzt, nachdem seine Frau gestorben ist, führt der Eigenbrötler ein zurückgezogenes Leben. In seinem Viertel ist er der letzte weiße Amerikaner. Alle anderen sind längst weggezogen oder tot.



Ein besonderer Dorn im Auge sind Walt seine Nachbarn, die Lors, eine Migrantenfamilie des Hmong-Volks aus Südostasien. Als eines Tages Nachbarssohn Thao von einer üblen Gang dazu gezwungen wird, Walts wunderschönen 72er Ford Gran Torino zu stehlen, wendet sich das Blatt: Der alte Mann kann nicht nur den Diebstahl seines geliebten Autos verhindern, sondern auch noch die gefürchtete Bande in die Schranken weisen. Fortan überhäufen seine Nachbarn ihn mit Dankesbekundungen - und bestehen darauf, dass Thao seine Schuld abarbeitet. Widerwillig lässt sich Walt darauf ein und sieht bald alles mit anderen Augen...



Ein brummiger Miesepeter lernt auf seine alten Tage noch, was Toleranz und Zuneigung bedeuten - nicht eben ein seltenes Thema. Und es gibt nur wenige, die eine solche Geschichte so inszenieren können, dass sie nicht in Kitsch abgleitet. Clint Eastwood aber kann es. Seit dem Auftritt in seiner Oscar-gekrönten Tragödie "Million Dollar Baby" hatte die Hollywood-Legende nicht mehr vor der Kamera gestanden. "Doch ,Gran Torino` bot eine Rolle in meinem Alter, und die Figur schien mir wie auf den Leib geschrieben", gab Eastwood als Begründung dafür an, dass er nicht nur Regie führte, sondern auch Walt Kowalski verkörperte.



Das Ergebnis ist wieder einmal grandios. Obwohl sein Walt zunächst am laufenden Band rassistische Sprüche absondert und mehr Vorurteile zu haben scheint als jeder andere Mensch, merkt man sehr schnell, dass hinter seiner rauen Schale ein weicher Kern steckt. Und nur Eastwood mit seiner ebenso sparsamen wie unnachahmlichen Mimik kann eine solche Figur so spielen, dass man sie trotz aller Schroffheit gleich mag. Dazu trägt auch der feine Humor bei, mit dem Eastwood etliche Passagen inszeniert. Etwa wenn Walt auf seiner Veranda abfällige Bemerkungen über Oma Lor macht und die gleichzeitig auf ihrer Veranda über ihn meckert. Oder wenn der eifrige PaterJanovich (herrlich: Christopher Carley) ihn ständig aufsucht und jedes Mal wieder barsch abgefertigt wird. Ein besonders glückliches Händchen hatte er bei der Wahl seiner jungen Hauptdarsteller. Ahney Her und Bee Vang als Geschwisterpaar Sue und Thao geben hier beide ein beeindruckendes Spielfilm-debüt.



Fast 79 Jahre alt ist Clint Eastwood und voller Schaffensdrang. Allerdings möchte er künftig nur noch hinter der Kamera stehen. Hoffen wir, dass er es sich anders überlegt.



Fazit: Sozialkritik als bewegendes Drama - Eastwood kann es einfach.



Pater Janovich (Christopher Carley) sorgt sich um Walts Seelenheil.



Sue (Ahney Her), die hübsche Tochter der Familie Lor



Raue Schale, weicher Kern: Walt freundet sich mit den Lors an.



Zum Äußersten bereit: Walt Kowalski (Clint Eastwood) verteidigt seinen "Liebling" - seinen alten Ford Turino.

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Datum:  5.3.2009
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