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FILM DER WOCHE

EIN QUANTUM TROST

Stahlblaue Augen, enorme Muskelpakete, blondes Haar und eher wenig Sinn für Humor - als vor zwei Jahren Daniel Craig als neuer James Bond antrat, kam das einer Revolution im 007-Universum gleich. Nichts machte er wie seine Vorgänger, keine Flirts mit Miss Moneypenny, keine technischen Spielereien vom genialen Tüftler "Q", und ob der Martini geschüttelt oder gerührt serviert wurde, war ihm "scheißegal". Aber er durfte echte Gefühle zeigen und verliebte sich in die schöne Vesper Lind. Die ließ in "Casino Royale" schließlich ihr Leben.



In seinem neuen Abenteuer "Ein Quantum Trost" trauert Bond um seine Geliebte. Er will Rache für ihren Tod, so sehr, dass er sich bald den Anweisungen seiner Chefin M. (Judi Dench) widersetzt, um Vespers Mörder auf eigene Faust zu jagen.



Dabei gibt es durchaus genug zu tun für den Geheimagenten: Eine Geheimorganisation namens "Quantum" hat unerkannt sämtliche Ebenen der Macht infiltriert, bis zum britischen Premierminister. Die Suche nach den Zielen des Syndikats, das auch den Tod von Vesper verursacht hat, führt Bond auf die Spur von Dominic Greene (Mathieu Amalric, ein äußerst blasser Bond-Schurke). Der Geschäftsmann gibt sich den Anschein eines Umweltschützers. In Wirklichkeit stürzt und inthronisiert er Regierungen gegen entsprechende Bezahlung.



Um Greene und seinen Hintermännern das Handwerk zu legen, jagt James Bond um die halbe Welt. Italien, Haiti, Bolivien und die Bregenzer Seebühne liegen auf seiner Reiseroute. Da geht es natürlich richtig rund. Gleich zu Beginn findet eine atemberaubende Autoverfolgungsjagd rund um den Gardasee statt. Bald darauf liefert sich 007 einen Zweikampf in schwindelerregender Höhe, bei dem er und sein Gegner lediglich an Seilen und Stahlträgern Halt finden. Danach gibt es eine wilde Hatz über die Dächer von Siena. Und auch zu Wasser und in der Luft geht es rasant zu.



Großartig setzt Regisseur Marc Forster das alles in Szene. Der 39-Jährige wurde in Ulm geboren und wuchs in der Schweiz auf. Bislang hat er sich mit anspruchsvollen Dramen wie "Monster's Ball" (Oscar für Halle Berry) und "Drachenläufer" einen Namen gemacht. Die Produzenten hatten ihm weitgehend freie Hand gelassen und so ist bei aller Action auch so etwas wie Forsters künstlerische Handschrift sichtbar. Etwa, wenn sich Bond und etliche Schurken in der Oper eine wilde Schießerei liefern. Fast wie Tänzer wirken sie da, die Musik von "Tosca" übertönt die Geräusche.



Das Drehbuch verfasste erneut das Trio Neal Purvis, Robert Wade und Paul Haggis (Oscars für "Million Dollar Baby" und "L. A. Crash"). So schließt ihr "Quantum Trost" denn auch nahtlos an den Vorgänger "Casino Royale" an. Wer den nicht gesehen hat, dürfte schnell den Faden verlieren. Zumal typische Bond-Elemente eben völlig fehlen. Nicht einmal Sex darf James haben - die sekundenkurze Szene, in der er seiner Kollegin Miss Fields ein paar Küsse auf den Rücken haucht, zählt irgendwie nicht. Selbst das attraktive Bond-Girl Camille (Olga Kurylenko) bekommt zum Schluss lediglich einen onkelhaften Schmatzer.



Keine Frage, die zuletzt reichlich angejahrt wirkende Bond-Reihe brauchte dringend eine Frischzellenkur, aber müssen wir denn gleich auf alles verzichten, was Spaß machte? Daniel Craig soll schon vorsichtig nachgefragt haben, ob im nächsten Abenteuer nicht vielleicht "Q" und Miss Moneypenny wieder auftauchen dürfen. Hoffen wir, dass die Produzenten ein Einsehen haben, denn so ein Trauerkloß wie jetzt sollte 007 nicht auf Dauer sein.

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Datum:  6.11.2008
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