Alles, wirklich alles, was Horror-Schriftsteller Stephen King bisher zu Papier gebracht hat, wird früher oder später verfilmt. Jetzt auch seine 133 Seiten lange Kurzgeschichte "Der Nebel" ("The Mist"), die 1980 in einer Anthologie abgedruckt wurde und fünf Jahre später in Kings Short-Story-Band "Skeleton Crew" erschien.
Manche Verfilmungen seiner Geschichten sind großartig, einige gingen auch in die Hose (oder hat sich wirklich jemand vor dem erbärmlichen Clown in "Es" gegruselt? Oder in dem dämlichen Streifen "Dreamcatcher"?) Aber es gibt eben auch viele gute King-Filme. Zwei davon gehen auf das Konto von Regisseur Frank Darabont: "Die Verurteilten" mit Morgan Freeman und Tim Robbins und "The Green Mile" mit Tom Hanks - ingesamt wurden die beiden Streifen für elf Oscars nominiert!
Diesen Erfolg wird er mit "Der Nebel" nicht wiederholen können. Dabei fängt alles so gut an: Am Morgen nach einem heftigen Gewittersturm breitet sich in einer amerikanischen Kleinstadt ein seltsamer Nebel aus. David Drayton und sein kleiner Sohn Ollie sind gerade im Supermarkt, als ein verletzter Mann in das Gebäude gerannt kommt und unter hysterischem Geschrei verlangt, sofort alle Türen zu schließen. Offenbar eine gute Idee, denn irgendetwas Schreckliches lauert im Nebel. Und ein paar Leichtsinnige, die den Weg nach draußen wagen, kehren nicht mehr zurück. Bald brechen unter den im Markt Gefangenen die ersten Konflikte aus. Die Lage eskaliert, als die religiöse Fanatikerin Mrs. Carmody (großartig: Marcia Gay Harden) mit ihrem Gerede vom Weltuntergang immer mehr der Eingeschlossenen um sich schart und sie schließlich sogar zu einem Lynchmord anstiftet.
Die klaustrophobische Atmosphäre fängt Darabont perfekt ein, lässt den Charakteren - vom arroganten Richter über die rüstige Lehrerin bis zum unscheinbaren Verkäufer, der über sich selbst hinauswächst - viel Raum. Doch dann tappt er in die klassische Horrorfilm-Falle: Er zeigt die Monster. Und das ausgiebig. Was die Trickkiste hergab, musste wohl auch über die Leinwand flattern, kriechen, stampfen und springen. Die Kreaturen scheinen allerdings eher der Augsburger Puppenkiste entsprungen zu sein - sie sind definitiv ungruselig.
Das Ende indes, das reißt alles wieder raus: Einen so bösen, grausamen Schluss hat sich noch niemand einfallen lassen. Doch da hat Darabont durch die albernen Viecher schon viel zu viel kaputt gemacht.
Fazit: Psycho-Kammerspiel oder Monster-Gemetzel? Leider zu unentschlossen.
Der Regisseur, der auch schreibt
Die Kreaturen greifen an: David (Thomas Jane) und sein Sohn Ollie (Toby Jones) sind entsetzt.
Fataler Entschluss: Der Mann, der den Markt verlassen hat, kämpft am anderen Ende des Seils um sein Leben.
Aufrührerin: Die religiöse Fanatikerin Mrs. Carmody (Marcia Gay Harden, M.) wiegelt die Leute auf.
Fliehen oder bleiben: David und Amanda (Laurie Holden) wissen nicht, was sie tun sollen.