Der Top-Terrorist Al-Saleem überzieht Europa mit einem Bombenteppich. Um den El-Kaida-Führer aus der Reserve zu locken, gründet CIA-Agent Roger Ferris (Leonardo DiCaprio) eine rivalisierende Terrorzelle.
Die indes gibt es gar nicht wirklich. Sie ist eine Erfindung von Ferris. Um die Effektivität der "neuen Organisation" unter Beweis zu stellen, jagt er sogar eine ausgediente US-Kaserne in der Türkei in die Luft. Doch der Plan geht schief, weil Ferris' Vorgesetzter Ed Hoffman (Russell Crowe), der gemütlich bei seiner Familie in den Staaten hockt, weder Ahnung noch Geduld hat und viel zu früh eingreift...
Der neue Film von Regisseur Ridley Scott (Oscar-nominiert für "Black Hawk Down", "Gladiator" und "Thelma & Louise") wirkt ein wenig angestaubt. Zum einen, weil die Finanzkrise der Sicherheitspolitik wenige Tage vor dem US-Start den Rang als Thema Nr. 1 abgelaufen hat. Zum anderen beschleicht einen ständig das Gefühl, das alles schon mal und auch schon mal deutlich besser (zum Beispiel in "Syriana") gesehen zu haben.
Das Interessanteste an "Der Mann, der niemals lebte" ist noch die Unterschiedlichkeit der Methoden, mit denen die Agenten vorgehen. Ferris ist ein Spion alter Schule. Er spricht die Sprache seiner Feinde und agiert direkt vor Ort. Hoffmann hingegen befiehlt Operationen per Handy, während er seine Kinder zum Fußballtraining fährt. Er verlässt sich allein auf seine schicken Satellitenbilder, die Kultur seiner Gegenspieler schert ihn einen Dreck. Am Ende hat keiner der Amerikaner Erfolg und es ist an den Jordaniern, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Selten wurde die übertriebene Arroganz der US-Geheimdienste so offen angeprangert.
Leider gehen diese Ansätze in einem konfusen Politthriller, der seinen Fokus immer wieder auf überflüssige Nebenschauplätze richtet, schnell unter. Die eigentliche Handlung um die gefakte Terrorzelle beginnt erst nach über einer Stunde. Obwohl Ferris seinen Aufenthaltsort bis dahin beinahe im Minutentakt wechselt (ein amerikanischer Kritiker hat das Schauen des Films sogar mit dem Surfen auf Google Earth verglichen), nimmt der Film so gut wie keine Fahrt auf.
So hätten nur noch die Darsteller das Ruder rumreißen können. Doch auch die bleiben hinter den Erwartungen zurück. Leonardo DiCaprio liefert zwar eine solide, sehr körperbetonte Performance, kann aber nie an seine Glanzleistungen in "Departed: Unter Feinden" und "Blood Diamond" anknüpfen.
Russell Crowe hat für die Rolle des CIA-Bürohengstes extra 20 Kilo zugenommen. Dennoch gelingt es ihm nicht, seinem Charakter Leben einzuhauchen, was in erster Linie daran liegt, dass er in 90 Prozent seiner Szenen nur telefoniert. Da fällt es natürlich schwer, einen oscarreifen Auftritt hinzulegen.
Fazit: Ambitionierte CIA-Kritik, verpackt in einen leider nur mäßig spannenden Spionagethriller ohne roten Faden.