Wie bitte? Ein Film über Wirtschaftskriminalität, Industriespionage und multinationale Preisabsprachen - und dieser Film soll eine Komödie sein? O ja, und was für eine! Der größte Witz dabei: Die unglaubliche Geschichte, die hier erzählt wird, ist tatsächlich so passiert. Mark Whitacre, den Titelhelden, gibt es wirklich. In den 90er Jahren sorgte er für einige der spektakulärsten Enthüllungen in der US-Handelsgeschichte.
Eigentlich hätte er als braver, biederer Biotechniker bei einem gigantischen Lebensmittelkonzern eine klassische Karriere hinlegen können. Doch nachdem er von seinem Arbeitgeber zu illegalen Preisabsprachen gezwungen wurde, wandte er sich ans FBI. Und als der Geheimdienst handfeste Beweise verlangte, erwachte der Spion in dem Spießer: Ausgerüstet mit modernster Abhörtechnik zeichnete Whitacre auf Geschäftsreisen mit versteckten Mikrofonen hunderte von Bändern auf. Geschickt brachte er seine Gesprächspartner dazu, Dinge zu sagen, die vor Gericht als Eingeständnisse dienen konnten. Bald nannte er sich "Agent 0014": Er hielt sich für doppelt so schlau wie 007.
Aber das ist erst der Anfang einer amüsanten, aberwitzigen Abfolge von Abenteuerlichkeiten. Unser Tipp: Lesen Sie möglichst nichts weiter über diesen Film. Lassen Sie sich einfach überraschen - Ihnen wird garantiert mehrmals vor lauter Fassungslosigkeit die Kinnlade herunterklappen. Wir wollen hier nur noch verraten, dass sich das FBI in dieser Sache nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat, sondern allenfalls mit Rum.
Mit Wohlstandswampe, Schnauzer, Toupet, Kassengestell und ausgebeultem Anzug wirkt Hauptdarsteller Matt Damon wie ein Bruder von Horst Schlämmer. Der einstige adrette Milchbubi, oft zu Unrecht als Langweiler abgestempelt, läuft hier zu Hochform auf: Als frecher Amateuragent, der an chronischer Selbstüberschätzung leidet, parodiert Damon mit unverschämter komödiantischer Lust seine Paraderolle Jason Bourne.
Es ist ein brillanter Kniff des Drehbuchs, das Geschehen aus dem Off von Mark Whitacre kommentieren zu lassen. Denn die Erzählerstimme dient hier nicht wie üblich dazu, Dinge zu erklären, sondern führt die Zuschauer auf raffinierte Weise in die Irre. Sie sinniert etwa über Krawattenmuster, Sekretärinnen und das Liebesleben der Eisbären, lässt uns in Whitacres Gedankenwelt eintauchen und sorgt immer wieder für erfrischenden Humor. Letzteres gilt auch für die Entscheidung von Regisseur Steven Soderbergh ("Ocean's Eleven"), die Nebenfiguren mit unbekannten Stand-up-Comedians zu besetzen und sie mit größtmöglichem Ernst agieren zu lassen - getreu dem Grundsatz des Dramatikers Neil Simon: "Komödien spielt man genauso wie Tragödien, nur etwas ernsthafter."
Unterstrichen wird die heiter-beschwingte Grundstimmung des Films durch den groovigen, leichtfüßigen, liebevoll arrangierten Soundtrack des Oscar-Preisträgers Marvin Hamlisch ("A Chorus Line"): Die Musik ist das Tüpfelchen auf dem i dieses vergnüglichen Kommentars zu den Machenschaften des Big Business, mit dem Soderbergh ähnlich wie in "Erin Brockovich" eine wunderbare Verbindung von Kunst und Kommerz geglückt ist.