Die spinnen, die Amis! Das konnte Sacha Baron Cohen schon beweisen, als er vor zwei Jahren als kasachischer Fernsehjournalist "Borat" in die Vereinigten Staaten reiste. Nun kehrt der britische Kultkomiker auf die Leinwand zurück: Als schwuler Moderator, dessen Fashion-Show "Funkyzeit" im österreichischen Jugendfunk abgesetzt wird, verschlägt es ihn diesmal nach Hollywood. Doch die Traumfabrik entpuppt sich recht bald als Albtraum. Es ist ebenso erschreckend wie urkomisch zu sehen, dass Promis und Durchschnittsamerikaner zu wirklich allem bereit sind, um ein klein wenig mediale Aufmerksamkeit zu erhaschen.
Zunächst versucht es Brüno als Host seiner eigenen Interviewshow. Seine Gäste empfängt er in einer unmöblierten Villa, in der ein paar mexikanische Gärtner als Stuhlersatz auf dem Boden knien. Die Popsängerin Paula Abdul zögert nur für den Bruchteil einer Sekunde, als Brüno sie bittet, doch auf einem der "mexikanischen Stuhlmenschen" Platz zu nehmen. Außerdem veranstaltet Brüno ein Casting. Er will ein Foto schießen, auf dem sein farbiges Baby, das er in Afrika für einen iPod eingetauscht hat, in Jesus-Manier ans Kreuz genagelt dahängt. Nun sucht er nach weißen Kindern, die als jüdischer Mob im Vordergrund auftauchen. Auf die Nachfrage, ob sie ein Problem damit hätten, wenn ihre Babys bei hohen Geschwindigkeiten ohne Kindersitz in einem Auto mitfahren würden oder mit gefährlichen Chemikalien in Berührung kämen, antworten die Eltern unisono mit "Nein". Eine besonders karrieregeile Mutter stimmt sogar zu, ihrem Baby vor dem Shooting Fett absaugen zu lassen. Spätestens hier bleibt einem das Lachen im Halse stecken.
Sacha Baron Cohen kennt weder Scham noch Erbarmen. Deshalb ist es mitunter geradezu schmerzhaft, seinem Treiben zuzusehen. Auch in Sachen Marketing machte der Brachialkomiker keine halben Sachen. Am Brandenburger Tor lief er in einem rosa Ganzkörperkostüm mit angenähten Plüschgenitalien auf. Und bei den MTV-Movie-Awards landete er nach einer inszenierten technischen Panne mit seinem besten Stück direkt im Gesicht von Rapper Eminem. Ganz ohne Anstand ist aber selbst Cohen nicht: Eine Szene, in der Brüno LaToya Jackson die Privatnummer ihres Bruders Michael entwendet, wurde nach dem tragischen Tod der Pop-Ikone aus dem Film entfernt.
"Brüno" ist fast genauso witzig und sogar noch einen Tick bösartiger als "Borat". Sollte Sacha Baron Cohen aber auf die Idee kommen, noch ein weiteres seiner Alter Egos auf die US-Bevölkerung loszulassen, sollte er sein Konzept unbedingt um die eine oder andere Nuance erweitern. Noch halten sich die Abnutzungserscheinungen in Grenzen, aber immer das Gleiche ist irgendwann langweilig.
Bitterböse Gesellschaftssatire, die dem oft gepriesenen American Way of Life mal ganz gehörig auf den Zahn fühlt.