Vermutlich möchte in diesen Tagen niemand in James Camerons Haut stecken. Schließlich schuf er 1997 mit "Titanic" den erfolgreichsten Film aller Zeiten, und nun erwartet jeder, dass er mit "Avatar" seinen eigenen Rekord bricht. "Es ist die größte Herausforderung, der ich mich je gestellt habe", räumt Cameron denn auch ein. Und so machte der 55-Jährige vom Drehbuch über die Entwicklung von Spezialkameras bis zur Regie und Co-Produktion gleich alles selbst. Cameron erzählt eine klassische Geschichte, wie "Der mit dem Wolf tanzt", nur in der Zukunft. Im Jahr 2154 wird der gelähmte US-Marine Jake Sully für ein riskantes Projekt angeheuert: In einem künstlich geschaffenen Körper, einem Avatar, soll er die Eingeborenen auf dem Mond Pandora ausspionieren. Die Bodenschätze, die es dort gibt, würden die Energieprobleme auf der Erde lösen. Damit sind indes die blauhäutigen Na'vi nicht einverstanden. Als sich Jake in die bezaubernde Häuptlingstochter Neytiri verliebt und die Seiten wechselt, ist der Kampf um Pandora unausweichlich. Vor über 15 Jahren hat Cameron die Idee des Überlebenskampfes der Na'vi bereits entwickelt. Doch damals hätte man in Hollywood nur abgewinkt. "Avatar" habe als nicht realisierbar gegolten. Vor vier Jahren dann konnte der Regisseur mit der Produktion des Films beginnen. Und das Ergebnis ist optisch in der Tat überwältigend, die Besetzung, allen voran "Alien"-Heroine Sigourney Weaver, Sam Worthington ("Terminator 4") und Zoë Saldana, erstklassig. Schade nur, dass sich der Genuss nicht völlig einstellen mag, kommt doch die Botschaft arg plump daher, und der Ethno-Kitsch, von Komponist James Horner durch oft grauslichen Musikbrei verstärkt, tropft in vielen Szenen geradezu von der Leinwand. Das lässt sich jedoch verschmerzen, wenn man dank 3-D-Brille den Eindruck hat, gemeinsam mit dem Helden in eine Schlucht zu stürzen oder selbst die faszinierende, farbenprächtige Dschungelwelt zu erforschen. Dann ist "Avatar" wirklich ein ganz besonderes Kinoerlebnis.