Kritiker rümpfen pikiert die Nase, Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat dem Westen Stimmungsmache gegen Perser und eine Verdrehung der Geschichte vorgeworfen. Den amerikanischen Zuschauern wars egal. Dort lieferte das Schlachtenepos "300" an seinem Startwochenende das drittbeste Einspielergebnis aller Zeiten.
Nachdem Regisseur Zack Snyder bereits mit dem gelungenen Remake des Romero-Zombie-Klassikers "Dawn of the Dead" ein Händchen für blutige Stoffe bewiesen hat, war er genau der Richtige für die Verfilmung von "300", einem Comic von Frank Miller ("Sin City"). Und, nun ja, subtil geht Snyder nicht gerade zu Werke. Aber schließlich handelt es sich um eine Schlacht. Als um 480 v. Chr. Xerxes, König von Persien, mit seinem riesigen Heer in Griechenland einfiel, scharte der Spartaner-König Leonidas (Gerard Butler, "Das Phantom der Oper") 300 Krieger um sich und zog zum Thermopylen-Pass - entgegen dem Willen der Ratsversammlung Spartas. Dort stellten sie sich den anrückenden Persern entgegen.
Um das eindrucksvoll zu zeigen, wird wirklich alles aufgefahren, was die Computertechnik heute hergibt. Snyder ließ seine Darsteller in virtuellen Sets agieren, fügte später den Bildhintergrund und Spezialeffekte digital hinzu: Das Blut spritzt in Fontänen, Xerxes ist ein gepiercter Hüne mit perfektem Augen-Make-up, Tausende Pfeile verdunkeln den Himmel, merkwürdige Fabelwesen, riesige Elefanten und Nashörner bevölkern die Szenerie.
Das Ganze würzt der Regisseur und Co-Autor mit viel Pathos und beeindruckend gestählten Männerkörpern. Sind die Kämpfer im Comic nackt bis auf einen Umhang, tragen sie auf der Leinwand noch einen knappen Lederschurz vorm Gemächt. Immerhin darf Gerard Butler in einer Szene seinen muskulösen Po zeigen. Worauf viele dem Streifen gleich eine schwule Ästhetik attestierten. Mehr indes wagte Snyder nicht: "Schließlich hätten wir den Film dann nirgendwo in Amerika zeigen können."
Bleibt also noch der Vorwurf plumper Gewaltverherrlichung. Aber so einfach ist es nicht. Natürlich wird viel von Blut und Ehre geredet, doch sind die Spartaner auch nicht wegen ihrer Feingeistigkeit in die Geschichte eingegangen. Schon mit sieben Jahren wurde jeder kleine Spartaner zum Krieger ausgebildet, die übrige Zeit trieb man Sport, ernährte sich gesund und schlief auf dem nackten Boden. Auch das zeigt der Film. Der Rest sind überwältigende Bilder und eine Machart, die stets die Comic-Vorlage durchscheinen lässt. Und daher auch nicht allzu ernst genommen werden sollte.
Fazit: Kaum Tiefgang, aber bombastische Bilder.