Bei einem Piratenfilm aus deutschen Landen liegt die Befürchtung nahe, es könnte sich um eine plumpe Parodie im Stil von "1 1/2 Ritter" handeln, bei der plündernde Seeräuber statt holder Edelmänner in der Gegend herumkalauern. Doch weit gefehlt. Die Korsaren-Komödie "Zwölf Meter ohne Kopf" ist keine hohle Verarsche der "Fluch der Karibik"-Filme, stattdessen offenbart Regisseur Sven Taddicken ("Emmas Glück") einen ganz eigenen Blick auf das Genre.
Die Piratenmeute von Klaus Störtebeker (Ronald Zehrfeld) und Gödeke Michels (Matthias Schweighöfer) steht für Spaß und Krawall. Gemeinsam mit ihrer Mannschaft machen die hartgesottenen Vorzeige-Freibeuter Nord- und Ostsee unsicher. Doch die ständigen Kaperschlachten und die permanente Angst vor den Häschern der Hanse haben ihre Spuren hinterlassen. Als Störtebeker lebensgefährlich verletzt wird, beginnt er zu zweifeln: Will er tatsächlich weiter mit einer Horde Haudraufs die Meere besegeln oder doch lieber mit seiner Freundin Bille (Franziska Wulf) Kartoffeln anbauen? Gödeke Michels ist mit diesem Imagewandel vom Draufgänger zum Warmduscher gar nicht einverstanden. Er schlüpft in die Rolle seines Chefs, um dessen Ruf als furchtlosester aller Piratenkapitäne zu bewahren...
Wenn in der ersten Szene ein Bürger über die aktuelle Konjunktursituation palavert, wähnt man sich bereits in einem Historien-Klamauk á la "Year One". Aber Pustekuchen. Regisseur Taddicken legt den Fokus auf ein zeitgemäßes Buddy-Movie inklusive moderner Sprache und angesagter Musik, bei dem das Piraten-Setting in erster Linie als exotischer Hintergrund fungiert. Nach seiner Wandlung zum Sensibelchen fordert der Kapitän seine Männer auf, ihre Probleme in der Gruppe auszudiskutieren. Klaus Störtebeker als Alt-68er-Pädagoge: Das hat was!
In der zweiten Hälfte gerät dieser Ansatz allerdings ein wenig geschwätzig. Da erinnert "Zwölf Meter ohne Kopf" dann mitunter doch zu sehr an einen Hochsee-Parteitag der Grünen. Etwas mehr Krachbumm hätte hier wahre Wunder gewirkt. Doch für zusätzliche Kaper-Action hat das Budget wohl leider nicht ausgereicht.
Dem ehemaligen DDR-Judoka Ronald Zehrfeld, der ohne Mauerfall sogar die Chance auf eine Olympiateilnahme 1992 in Barcelona gehabt hätte, nimmt man den Raufbold allein schon aufgrund seiner stämmigen Statur ab. Deshalb wirkt es umso überraschender, wenn er den legendären Freibeuter plötzlich ganz zurückgenommen, ja, geradezu intim porträtiert. Im Gegensatz dazu gibt der vergleichsweise schmächtige Matthias Schweighöfer dem Affen ordentlich Zucker. Als Gödeke Michels geht er keiner Kneipenschlägerei aus dem Weg und droht dem Verlobten seiner Ex (als Gast: Simon Gosejohann) sogar damit, ihm die Eier abzuschneiden.
Fazit: Norddeutscher Piratenfilm, der abseits des "Fluch der Karibik"-Effektgetümmels seinen ganz eigenen Charme entwickelt.