Erst Hasen ohne Ohren, jetzt halbe Ritter: Til Schweiger, der Mann mit der Spürnase für Kino-Hits, hat offenbar ein Herz für Loser. In seinem Mittelalter-Spaß "1 1/2 Ritter" verkörpert er, hübsch entstellt durch eine Angela-Merkel-Frisur, den linkischen Leibwächter Lanze - und agiert dabei herrlich hölzern, wie es sich für einen tapsigen Bodyguard mit diesem Namen gehört. Lanze soll die holde Prinzessin Herzelinde (herzig: Julia Dietze) aus den Fängen des mysteriösen Schwarzen Ritters befreien. Unterstützung bekommt er von einem türkischen Kleinganoven und Lebenskünstler, dargestellt von Rick Kavanian. Der begnadete Comedian ist in dieser Rolle nicht nur saukomisch, sondern empfiehlt sich mit seinem facettenreichen Spiel auch für Hauptfiguren in ernsthaften Filmen.
Wie schon bei "Barfuß" und "Keinohrhasen" hält Schweiger auch hier als Produzent und Regisseur die Fäden in der Hand; er hat erkennbar wieder eine Menge Liebe, Lust und Leidenschaft in das Projekt gesteckt und erneut mit seinem bewährten Team gearbeitet - darunter Kameramann und Co-Regisseur Christof Wahl, der für seine zauberhaften Bilder seine dritte Nominierung für den Deutschen Kamerapreis verdient hätte. Also alles wunderbar, könnte man meinen.
Ist es aber leider nicht. Denn anders als bei der spritzigen, frechen Komödie "Keinohrhasen" zündet hier kaum ein Gag. Schuld daran ist das uninspirierte Drehbuch, das diesmal nicht aus der Feder von Anika Decker und Til Schweiger stammt, sondern von Oliver Philipp und Oliver Ziegenbalg. In ihrer infantilen Mittelalter-Vision gibt es ein "Ride-in" statt eines "Drive-ins" - aber viel mehr ist den beiden Herrschaften zum Thema nicht eingefallen. Da waren die "Ritter aus Leidenschaft" mit Heath Ledger und Paul Bettany einst wesentlich unterhaltsamer. Symptomatisch für die verschenkten Möglichkeiten ist der vollkommen witzlose Auftritt der Boygroup "New Kids On The Block": Hätten sich da nicht eine Menge Minnesänger-Gags angeboten? Hätte man die Jungs nicht wenigstens "New Kids On The Richtblock" nennen können?
Wie man hört, sollte die Burleske ursprünglich "Zwei Ritter geben Vollgas" heißen. Ein passenderer Titel wäre allerdings "Zwei Nasen tanken bleifrei" gewesen. Oder "Men In Blech". Immerhin ist es Til Schweiger gelungen, eine schier unglaubliche Zahl von Prominenten vor der Kamera zu versammeln: Von Roberto Blanco (nein, er spielt nicht den Schwarzen Ritter) bis Johannes Heesters (ja, er ist vermutlich der letzte Überlebende der Ritter-Ära) kämpft sich ein Heer von Stars und Sternchen durch das Klamauk-Gestrüpp des Drehbuchs. Sie halten ihr Gesicht in die Kamera, sagen ein paar Sätze (oder auch nicht) und verschwinden wieder.
Angeführt werden sie von Deutschlands TV-Quoten-König Thomas Gottschalk - er mimt sinnigerweise König Gunther, den Vater der entführten Prinzessin. Seine Mitwirkung legt den Verdacht nahe, dass es sich bei dem ganzen Spektakel gar nicht um einen Film handelt, sondern um eine "Wetten, dass..?"-Folge, die ausnahmsweise in einem Mittelalter-Themenpark statt in einer Mehrzweckhalle aufgezeichnet wurde. Man wartet förmlich darauf, dass Thommy endlich die Saalwette ankündigen möge. Aber auch das passiert nicht. Schade.
Fazit: Der über weite Strecken lahme und kindische Mittelalter-Klamauk spielt bedauerlicherweise nicht in derselben Humor-Liga wie die erfrischenden "Keinohrhasen".