Die Story: Anonym zugestellte Kassetten reißen den erfolgreichen TV-Moderator Georges (Daniel Auteuil) und seine Frau Anne (Juliette Binoche) aus ihrer selbstzufriedenen Existenz - heimlich aufgenommene Videos von Georges und seiner Familie, kombiniert mit beunruhigenden Zeichnungen. Allmählich wird der Inhalt der Kassetten immer persönlicher, und Georges bürgerliche Fassade beginnt zu bröckeln: Angst, Unsicherheit und Misstrauen kriechen durch die Wände; schlechtes Gewissen und verdrängte Schuld machen sich breit; Feigheit, Aggression und Paranoia brechen hervor ...
Die Schauspieler: Daniel Auteuil ("Die Bartholomäusnacht") nutzt geschickt sein Image als Publikumsliebling, um eine mehr und mehr unsympathische Figur darzustellen. Schlichtweg grandios, wie differenziert er und Juliette Binoche ("Chocolat") das nach außen hin perfekt funktionierende Paar verkörpern: zwei Menschen, deren Beziehung schrittweise vergiftet wird, deren Gefühle längst unter einem Gletscher begraben liegen - und deren körperliche Berührungen man während des Films an einem einzigen Finger abzählen kann.
Der Regisseur: Michael Haneke ("Die Klavierspielerin") erzeugt Spannung auf faszinierend subtile und intelligente Weise; er sät nicht nur bei seinen Filmfiguren, sondern auch beim Zuschauer immer mehr Misstrauen - erst gegenüber den gezeigten Bildern, dann gegenüber der Hauptfigur: Hat Georges vielleicht doch Dreck am Stecken? So verwischt sich fast unmerklich die Grenze zwischen Täter und Opfer in diesem brillanten, mit makelloser Ökonomie inszenierten Thriller-Verwirrspiel, in dem jede Dialogzeile sitzt wie ein gezielter Messerstich - ein Verwirrspiel, das mit unerbittlicher Präzision auf seinen perfiden Schluss zusteuert.
Fazit: Ein raffiniert konstruiertes, im besten Sinne verstörendes, zu Recht mit Preisen überschüttetes Meisterwerk, das noch lange nachwirkt.