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«Klima-Killer-Pilze» erhitzen die Gemüter

Hamburg - Heizstrahler wärmen nicht nur Raucher und Gäste im Freien, sondern erhitzen im Zuge der Klimadebatte auch die Gemüter. Je kälter die Temperaturen, desto häufiger stehen die Geräte auf Bürgersteigen oder in Hinterhöfen von Kneipen und Restaurants.

Wenn in acht weiteren Bundesländern vom 1. Januar an das Rauchverbot in Gaststätten und Diskotheken in Kraft tritt, wird ihre Zahl vermutlich weiter steigen. Umweltschützer schlagen unterdessen Alarm: «Bei einer durchschnittlichen Betriebsdauer von 36 Stunden in der Woche setzt ein einziger Strahler bis zu vier Tonnen Kohlendioxid im Jahr frei», sagt Greenpeace-Sprecher Jan Haase. Das entspreche dem jährlichen Verbrauch von manch einem Auto.

Im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel sind die energiefressenden Strahler inzwischen von öffentlichen Wegen verbannt worden. «Ein einziger Wärmepilz kann ein ganzes Einfamilienhaus beheizen», erklärt der Bezirksdezernent für Wirtschaft, Bauen und Umwelt, Reinhard Buff. Zu den Betroffenen zählt Szene-Gastronom Christian Möhlenhof («Maybach»). Er will seine Wärmepilze gegen UV-Strahler austauschen. «Wir können uns nicht leisten, die Raucher unter unseren Gästen zu verlieren und müssen ihnen so viel Komfort wie möglich bieten», sagt Möhlenhof. Probleme bereitet ihm derzeit noch der Bau einer entsprechenden Markise: «Die Leute haben zu tun ohne Ende.» Auch in der Kölner Altstadt darf, allerdings aus ästhetischen Gründen, kein Wärmepilz mehr aufgestellt werden.

Die Grünen-Fraktion in Karlsruhe will die Wirte mit einer Aufklärungskampagne zu einem bewussteren Umgang mit den Geräten bewegen. «Die Leute versuchen, an allen Ecken und Enden Kohlendioxid zu sparen, und dann gehen sie hin und heizen die Straße», sagt der grüne Stadtrat Tim Wirth. Sollte die Kampagne nicht fruchten, muss seiner Ansicht nach in Karlsruhe ein generelles Heizstrahler-Verbot in Kraft treten. Einen Rückschlag verzeichneten unterdessen die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus. Dort scheiterte ein ähnlicher Antrag auf ein Wärmepilz-Verbot.

Nach Niedersachsen, Baden-Württemberg und Hessen, wo das Rauchen in Gaststätten seit mehreren Monaten grundsätzlich untersagt ist, ziehen Anfang 2008 weitere Bundesländer mit einem Qualm-Verbot nach: Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein. Außerdem will Mecklenburg-Vorpommern, das Raucher bereits aus Behörden verbannt hat, nun bei Gaststätten nachziehen. In Sachsen soll ein Verbot vom 1. Februar, in Rheinland-Pfalz und im Saarland vom 15. Februar an gelten. Auch Nordrhein-Westfalen und Thüringen wollen den Rauch verbannen - ab Juli 2008. Für Behörden in NRW gilt dies schon zum 1. Januar.

Besonders die Wirte kleiner Lokale, die keinen Extra-Raum anbieten können, seien gezwungen, auf die Straße auszuweichen, erklärt der Hamburg-Chef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Gregor Maihöfer. «Wärmepilze sind Dinge, die die Welt nicht braucht», sagt dagegen Greenpeace-Sprecher Haase. «Zumal es vernünftige Alternativen gibt, wie die klassische Wolldecke.»

Die Debatte um die «Killer-Pilze» scheint auch an Herstellern und Vertreibern von Heizstrahlern nicht spurlos vorüberzugehen. Die Praktiker Baumärkte vermelden eine Stagnation beim Absatz gasbetriebener Heizstrahler. «Dies ist einerseits auf das größer gewordene Gesamtangebot auf dem Markt, andererseits auf die aktuelle Klimadebatte und das Verbot von Wärmepilzen in einigen Gaststätten zurückzuführen», heißt es in der Zentrale der Baumarktkette im saarländischen Kirkel.

«Die Diskussion macht uns zu schaffen, die Kunden halten sich zurück», sagt auch der Inhaber des Berliner Geräte-Vertreibers «Schulz-Heizpilze», Markus Tampfel. «Dabei sind die Zahlen lächerlich im Vergleich zu wirklichen Klima-Sündern, wie beispielsweise Kraftwerke.» So werde bei der Produktion von einem Kilowatt Strom weitaus mehr Kohlendioxid freigesetzt als bei der entsprechenden Energieerzeugung mit Propangas.

Um dennoch einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, haben sich Tampfel und sein Partner die Aktion «Ein Pilz, ein Baum» ausgedacht. «Für jeden verkauften Pilz pflanzen wir einen Baum», erklärt der Geschäftsmann. Kunden, die Geräte leihen, könnten gegen eine zusätzliche Gebühr von 2,50 Euro Baumpate werden. Die Idee scheint auf fruchtbaren Boden zu fallen: In einem Forstgebiet in Brandenburg wurden bereits die ersten 470 Bäume gepflanzt.

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Datum:  27.12.2007
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