Leipzig - Deutschlands Fechter produzieren bei ihrem «Heimspiel» weiter Resultate der extremen Gegensätzlichkeit: Degen-Star Jörg Fiedler schied in seiner Geburtsstadt Leipzig zum Abschluss der Individualwettbewerbe der Europameisterschaften früh aus.
Die krasse Außenseiterin Sibylle Klemm hingegen drang völlig überraschend ins Säbel-Halbfinale vor - und sicherte dem Deutschen Fechter-Bund (DFeB) damit die dritte Medaille.
Wie ein Häufchen Elend saß der für Tauberbischofsheim aktive Fiedler nach seinem 7:10 gegen Ungarns Olympia-Vierten Gabor Boczko neben der Planche. Der 32-Jährige - der endlich seine erste Einzelmedaille bei einem Topereignis holen wollte - konnte es nicht fassen: «Ich weiß auch nicht so ganz genau, was da jetzt war.»
Irgendwann stellte sich bei Fiedler die Erkenntnis ein: «Mir fehlten die Ideen, und Gabor war zu gut.» Das System ergab dieses Gefecht zweier Top-Athleten schon in Durchgang zwei, ein Umstand, der Degen-Bundestrainer Didier Ollagnon leicht nervte: «Dieses Duell kommt zwei Runden zu früh.»
Noch schlimmer erwischte es den Titelverteidiger aus Tauberbischofsheim: Sven Schmid, 2009 im bulgarischen Plowdiw mit Gold dekoriert, blieb in der Vorrunde in fünf Gefechten sieglos. Seine Armverletzung war wieder aufgebrochen, am Ende stand Rang 108 unter 114 Startern.
«Es hat einfach nicht gereicht. Aber Sven hat es wenigstens versucht», schilderte Ollagnon die Situation, die sich am Montag erst kurz vor dem Auftakt der Einzelgefechte ergeben hatte. Die Ärzte versuchten, noch in Leipzig die Ursache zu erforschen - für Schmid zu spät. «Immer, wenn es für ihn hart auf hart kam, waren auch die Schmerzen wieder da», sagte Ollagnon, der Christoph Kneip (Leverkusen) und den ehemaligen EM-Zweiten Martin Schmitt (Tauberbischofsheim) immerhin in die Runde der besten 32 brachte.
Im Damensäbel sorgte Sibylle Klemm für das vorzeitig erfüllte Medaillen-Soll der Deutschen. «Drei plus» lautete die Hochrechnung von DFeB-Sportdirektor Manfred Kaspar. Nach dem 15:11 der kess auftretenden Tauberbischofsheimerin im Viertelfinale gegen die klar favorisierte Titelverteidigerin und WM-Zweite Olga Charlan (Ukraine) ist jedes weitere Edelmetall eine nette Zugabe.
«Sibylle ist über sich hinausgewachsen», lobte Kaspar den Auftritt der 26-Jährigen, die am Morgen vor fast leeren Zuschauerrängen ein Gefecht um das andere für sich entschied. Für ihre Mitstreiterinnen Stefanie Kubissa und Davina Hirzmann (beide Dormagen) sowie Anja Musch aus Künzelsau war spätestens unter den besten 32 Endstation.
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