Morgen wollen Caterer und Präsidium nochmal mit ihnen drüber diskutieren. Doch es gilt als sicher: Die Fans des FC St. Pauli werden die Einführung des "Millerntalers" nach dem jüngsten Stopp endgültig verhindern. Es ist nicht das erste Mal, dass die Anhänger Einfluss nehmen. Sie sind nicht nur die kreativsten, sondern auch die mächtigsten Fans Deutschlands!
Unlängst hatten sie für Aufsehen gesorgt, als sie bei der Jahreshauptversammlung am 18. November gegen einen möglichen Verkauf des Stadionnamens votierten. Das Verrückte: Die Abstimmung ist für den Klub nicht bindend, weil es die Angelegenheit der Vermarktung, einer Tochtergesellschaft, ist. Und doch wurde dieses Thema erst mal ad acta gelegt.
Tatsache ist: Die Fans des Kiez-Klubs haben ein großes Problem mit der Komplett-Kommerzialisierung und der Nicht-Würdigung von Traditionen. Unvergessen die "Sitzen ist für'n Arsch"-Kampagne und die Attacken gegen die Montagsspiele in der 2. Liga, die in wütenden "Scheiß DSF"-Chören mündeten. Deshalb wird's spannend, wenn St. Paulis Montagskick am 10. März gegen 1860 München angepfiffen wird.
Präsident Corny Littmann zur Power, die von den Rängen ausgeht: "Ich bin sehr froh, dass wir so engagierte Fans haben. Es gibt zwar auch Differenzen, aber wir fühlen uns nicht als ihre Opfer. Alle zusammen sind wir diskussionsbereit."
Was für ihn jedoch außerhalb jeder Debatte steht: "Wegen des Millerntalers ist der Geschäftsführer unseres Caterers massiv bedroht worden. Da hört der Spaß auf." Auch den Aufruf der Fans zum Getränke-Boykott findet er nicht witzig: "Das trifft den Verein, der große Teile des Umsatzes kassiert. Mit dem Catering machen wir richtig Geld."
Der Klub-Boss ließ sich gerade beim Auswärtsspiel in Köln das RheinEnergie Stadion zeigen. "Dort zahlen nur noch die Gäste-Fans mit dem Euro. Alle anderen haben eine Payment-Karte, der Umsatz stieg um 30 Prozent. Wir dürfen uns nicht Entwicklungen verschließen, die woanders längst Einzug gehalten haben." Man darf sicher sein: St. Paulis mächtige Fans werden die Vereinspolitik weiterhin aktiv begleiten und beeinflussen.