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FC ST. PAULI

Fans üben Kritik an den "Ultras"

Gigantisch“ sei die Atmosphäre gewesen, gar „einschüchternd“, hatte Frankfurts Marco Russ nach Abpfiff der Partie am vergangenen Sonnabend geschwärmt. „Blamabel“ sei die Stimmung am Millerntor in letzter Zeit hatten die „Ultras“ vor dem Anpfiff per Flyer kritisiert. Wer hat Recht? Wie denken die Anhänger der Braun-Weißen darüber?



Die MOPO lässt die Fans zu Wort kommen. Tenor: Die Stimmung war schon mal besser, ist aber immer noch gut und liegt über Liga-Durchschnitt. Kritik gibt es am Fan-Verhalten auf der neuen Haupttribüne, wo die Stimmung zweifellos arg zu Wünschen übrig lässt – aber vor allem an denen, die stets am lautesten sind und die die Stimmungs-Diskussion angestoßen hatten: „Ultra Sankt Pauli“ (USP)



„Es stimmt, dass die Stimmung bei Heimspielen nicht mehr so überragend wie in der Vergangenheit ist, sondern nur noch gut bis sehr gut, aber keineswegs blamabel“, schreibt ein Fan. Ein anderer klagt, das die „Stimmung von Jahr zu Jahr mehr nachlässt.“ Gar „erbärmlich“, findet ein Anhänger die Atmosphäre im Bereich der Business-Seats („Bonzenblock“) auf der neuen Haupttribüne. „Gut für die Kasse, aber nicht unbedingt für die Stimmung“, urteilt einer, der vor ein paar Jahren beim FC St. Pauli beschäftigt war. Mancher sieht gar schwarz: „Sportlich auf einem Höhenflug, fantechnisch auf Absturzkurs!“



Grund für die nachlassende Stimmung am Millerntor ist für den Großteil der Fans, die der MOPO geschrieben haben, paradoxerweise im größten Fanblock im Stadion zu suchen: Bei den „Ultras“ auf der Südtribüne. Hauptkritikpunkt: zu wenig spielbezogene Anfeuerung. Das hat man in den vergangenen Monaten auch immer mal wieder aus dem Mund von einigen Spielern oder Vereinsverantwortlichen gehört – meist hinter vorgehaltener Hand. Die Haupt-Stimmungsmacher als Stimmungstöter?



„Ich denke, dass in großem Maße, offensichtlich unbeabsichtigt, die USP dafür verantwortlich ist“, so ein Wortbeitrag. Andere werden deutlicher und bezeichnen die teilweise mehrere Minuten dauernden Gesänge auf der Südtribüne als „Dauergejodel“. „Seitdem es diese unerträgliche USP-Gruppierung mit ihrem spielsituationsunabhängigen und monotonem Dauersupport gibt, ist eine Verschlechterung der Stimmung am Millerntor unüberhörbar. Nichts nervt den Fußballfan mehr als einfallsloser Dauersupport, der weder der Mannschaft, noch den anderen, echten (!) Fans hilft.“



Spontane Gesänge oder das Nachvornepeitschen der Mannschaft mit simplen Gesängen, in die jeder Zuschauer im Millerntorstadion einstimmen kann, so klagen viele Fans, gebe es kaum noch oder die „Ultras“ erstickten diese im Keim. „Einige Fans haben wohl resigniert, gegen die Ultras anzusingen.“

Bei aller Kritik wünschen sich die Fans eine Besserung der offensichtlich verfahrenen Situation. Man müsse mehr miteinander singen oder anfeuern als nebeneinander oder gar gegeneinander. „Zurück zu den Ursprüngen der Singing Area“, fordert ein Gegengeraden-Fan. Heißt: In Gesänge einstimmen, egal aus welchem St. Pauli-Block sie kommen.



Wirklich schlecht, so die große Mehrheit der Fans, die dem MOPO-Aufruf gefolgt sind, sei die Stimmung trotz der angesprochenen Probleme nicht. „Wir meckern auf hohem Niveau, denn andere Vereine wären froh, wenn sie ansatzweise eine solche Stimmung im Stadion hätten wie wir“, spricht einer vielen aus der Seele. Aber es gehe eben noch besser. Eine Stimmungs-Steigerung kann die Mannschaft in den kommenden Heimspielen gut gebrauchen.

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Datum:  2.11.2010
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