Den 29. Juni 1991 werden viele Fans des FC St. Pauli nie vergessen: Die Kiezkicker verloren das dritte Relegationsspiel im Gelsenkirchner Parkstadion mit 1:3 gegen die Stuttgarter Kickers, stiegen aus der Bundesliga ab. Während knapp 1000 Zuschauer des Siegers feierten, trauerten rund 15.000 Hamburger Anhänger, viele ließen ihren Tränen freien Lauf. Es war das zweite Mal nach 1987, dass die Braun-Weißen eine Ausscheidung vergeigten. Nach den jüngsten Misserfolgen droht wieder eine Relegation. Als Dritter der 2. Liga ginge es gegen den Drittletzten der 1. Liga (derzeit Freiburg). Bitte tut den Fans das nicht an - und steigt direkt auf!
1986/87 war Willi Reimann (60) der Trainer. Er hatte den Zweitliga-Aufsteiger überraschend nach oben geführt, erinnert sich noch bestens an die beiden Partien gegen den Bundesligisten Homburg: "Dort verloren wir 1:3, am Millerntor gewannen wir 2:1, scheiterten somit knapp." Sein Resümee: "Relegation geht an die Nerven. Das ist wie eine Lotterie, da entscheiden Kleinigkeiten wie falsche Schiedsrichter-Pfiffe."
So sieht es auch André Golke (45), der wie Jürgen Gronau (47) und André Trulsen (44) in allen fünf Spielen gegen Homburg und Stuttgart dabei war: "1991 gegen die Kickers war das Scheitern noch viel schlimmer als gegen Homburg. Nicht nur ich habe in der Kabine geheult."
Das Gefühl des Versagens nagte auch an Klaus Ottens (44). Der frühere Übersteiger-König: "Alle haben geweint. Wir Spieler, unsere Fans und Präsident Heinz Weisener. In dem Stadion war's totenstill, wir spürten unglaubliche Leere."
Als es vor zwei Jahren noch um St. Paulis Klassenerhalt in der 2. Liga ging, hatte Holger Stanislawskis Co-Trainer Trulsen schon keinen Bock auf das Thema Relegation. Damals sagte "Truller": "Das bringt zwar mehr Geld durch TV-Einnahmen, geht aber zu Lasten der Planungssicherheit. Denn man weiß ja nicht, in welcher Liga man landet. Ehrlich - das muss ich nicht noch mal haben."
Dazu muss es nicht kommen. Ottens glaubt wie vor der Saison an den Aufstieg: "Die Jungs können es nach wie vor auf direktem Weg schaffen. Sie müssen nur realisieren, dass die Chance riesengroß ist." Schaffen die Kiezkicker das nicht, droht das dritte Relegations-Desaster.
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