Er gilt als "Allzeckwaffe" der Staatsanwaltschaft und als ihr bester Mann. Er hat Reemtsma-Entführer Thomas Drach hinter Gitter gebracht und bekämpft seit 23 Jahren das organisierte Verbrechen. Als Hauptabteilungsleiter in diesem sensiblen Bereich hat Peter Stechmann (57) sich auch intensiv mit den Osmanis beschäftigt. Jetzt unterstellt der "Spiegel" dem Top-Juristen, er stehe dem umstrittenen Clan "gefährlich" nahe. Hintergrund dieser Vorwürfe waren Hinweise eines Häftlings, der Stechmann vor Jahren beschuldigt hatte. Das "Dezernat Interne Ermittlungen" (DIE) ermittelte kurz, legte den Fall dann mangels Substanz ad acta. Zwar nennt der "Spiegel" Stechmanns Namen nicht, anhand von Details kann aber nur er gemeint sein. So soll Stechmann, laut "Spiegel", 1999 eine Aktion gegen die Osmanis "im letzten Moment" abgeblasen haben. Die SPD nimmt den Artikel zum Anlass für eine erneute kleine Anfrage in der Bürgerschaft.
Die Staatsanwaltschaft wollte sich gegenüber der MOPO zu dem "Spiegel"-Artikel nicht äußern, sondern erst den Justizsenator informieren. In Kreisen von Ermittlern des Landeskriminalamts und der Richterschaft haben die Vorwürfe aber nur Kopfschütteln ausgelöst. "Stechi", wie er von Kollegen genannt wird, gilt als Idealbild eines korrekten Staatsanwalts. Ein Kriminalrat zur MOPO: "Das ist ein Witz. Da zeigt ein Knacki Stechmann aus Rache an und der ,Spiegel' strickt daraus eine große Story."