Immer höher treibt sie ihre glockenhelle Stimme, immer eindringlicher geraten Stimmungen und Gefühle - wie lange kann die Sängerin diesen vokalen Parforce-Ritt durchhalten?
Doch die in Hamburg lebende Israelin scheint keine Schwäche zu kennen, ihre Stimme büßt nicht einen Moment diese unglaubliche Klarheit ein, lang und länger zieht die 66-Jährige die Töne, schmeichelt und schwelgt, klagt und tröstet. Schlichte Volkslieder, melancholische Pop-Klassiker. Ein ungemein forderndes "Speak Low" Kurt Weills oder ein alles andere als schmachtendes "Over The Rainbow": Esther Ofarim weiß um die Seele eines jeden Songs und lässt den Gefühlen ihrer Zuhörer keine Ruhe. Dabei wahrt sie rein äußerlich stets Distanz, nichts soll von der Schönheit der Lieder ablenken.
Einziger Makel dieses großen Abends: Ein roter Faden fehlt. Es geht allein um Ofarim und ihre Interpretationen. Was genügt - zumindest solange die Qualität der Lieder der Stimme adäquat ist. Stehende Ovationen, die kein Ende finden wollen.