Sie sind schwer bewaffnet. Mit Maschinenpistolen, Revolvern und Schrotflinten. Die Zahl der Toten und Verletzten, die die Hells Angels auf dem Gewissen haben, geht in die Hunderte. Bisher traf die Gewalt meist verfeindete Rockerbanden wie die Bandidos, doch jetzt ist eine neue Stufe der Eskalation erreicht: Gestern früh erschoss ein "Höllenengel" bei Koblenz einen Polizisten des Spezialeinsatzkommandos (SEK) Rheinland-Pfalz.
Für die Elite-Polizisten des SEK war es zunächst ein Routinejob. Ihr Auftrag: Durchsuchung des Hauses eines 43-jährigen Hells Angels im Örtchen Anhausen. Der Rocker soll zusammen mit vier Komplizen gewaltsam Prostituierte von einem "lukrativen Standplatz" im Westerwald vertrieben haben. Die Frauen arbeiteten offenbar für konkurrierende Zuhälter.
Es gab Hinweise darauf, dass der Hells Angel in seinem Einzelhaus eine scharfe Waffe hat. Also rückten schwer gerüstete SEK-Leute an. Elite-Polizisten in schwerer Schutzmontur.
Kaum hatte ein Trupp von vier bis fünf Beamten an der Tür Position bezogen, fielen zwei Schüsse. Der Rocker hatte in Brusthöhe durch die Tür gefeuert.
Ein 42-Jähriger sackte getroffen zusammen. Der Beamte trug zwar eine schusssichere Weste, doch die Kugel des Rockers traf ihn seitlich. Das Geschoss durchschlug den Oberarm und drang in den Oberkörper ein. Der Beamte verblutete.
Der Schütze konnte danach festgenommen werden. Auch seine Freundin wurde abgeführt. Der Koblenzer Oberstaatsanwalt Horst Hund kündigte an, Haftbefehl wegen Mordes zu beantragen.
Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG): "Diese hinterhältige Tat zeigt eine neue Eskalationsstufe der Gewalt in der Rockerszene."
Seit Jahren liefern sich Hells Angels mit den verfeindeten Bandidos in Deutschland einen Krieg. Vor allem in Berlin, dem Ruhrgebiet und Norddeutschland. Erst am Montag wurden vor einem Kieler Fitnesscenter die Söhne (20 und 21) eines Bandidos niedergestochen.
Am vergangenen Donnerstag schossen Unbekannte scharf auf das Haus des Kieler Hells-Angels-Chefs.
Der Mord an dem Polizisten steht vermutlich nicht in Verbindung mit dem aktuellen Rockerkrieg. Aber er zeigt die extrem hohe Gewaltbereitschaft von Hells Angels und Co. Die Stimmen für ein bundesweites Verbot der gewalttätigen Banden mehren sich.
In Hamburg sind die Hells Angels bereits seit 1986 verboten. Trotzdem warnt Rainer Wendt vor einem bundesweiten Verbot: "Das würde nur die Abwanderung in die Illegalität verstärken und uns die Kontrolle erschweren."
Stattdessen müsse der Druck durch Razzien und verdeckte Ermittlungen erhöht werden. "Den Jungs muss klar sein, dass sie unter ständiger polizeilicher Beobachtung stehen", so der Hauptkommissar.