Exakt 177 Tage hatte im vergangenen Jahr die Trainersuche beim HSV gedauert. "Das Ergebnis rechtfertigt jeden einzelnen Tag", erklärte Klub-Boss Bernd Hoffmann erst kürzlich in der MOPO. Der nächste Schritt soll nun folgen. Der HSV will den Vertrag mit Martin Jol (läuft bis 2010) vorzeitig verlängern. Hinter den Kulissen laufen bereits die ersten Gespräche. Mit der Gala-Vorstellung gegen Manchester City sorgte der Niederländer für ein weiteres starkes Argument.
"Das war bislang das schönste Spiel in meiner HSV-Zeit", schwärmte Jol noch gestern. Viele weitere sollen in den nächsten Jahren folgen. Die Herzen der Anhänger und auch Entscheidungsträger im Verein hat "Big Martin" längst erobert. "Ich bin begeistert. Er hat bislang eine tolle Arbeit abgeliefert. Davor kann man nur den Hut ziehen", sagt Aufsichtsrats-Chef Horst Becker. Klar würde der Oberkontrolleur eine Vertragsverlängerung begrüßen. Druck ausüben oder sich einmischen will er aber nicht. "Das ist Sache des Vorstandes. Er wird uns unterrichten, wenn es so weit ist. Dann wird von uns der finanzielle Rahmen geprüft", so Becker.
Lange wird es wohl nicht mehr dauern, bis das Kontroll-Gremium zusammengerufen wird, auch wenn der Vorstand sich mit offiziellen Aussagen noch zurückhält. "Wir ziehen die letzten Wochen der Saison jetzt durch. Dann setzen wir uns hin und regeln die Zukunft. Der Trainer weiß, wie sehr wir ihn schätzen", sagt Sportchef Dietmar Beiersdorfer. Jol selbst hat erste Signale, dass er sich gut vorstellen kann, längerfristig in Hamburg zu arbeiten, an die Klub-Führung gesandt. Unumstritten ist auf der anderen Seite jedoch auch, dass er sich mit seinem Erfolg für andere Vereine immer interessanter macht.
In München wird bereits gemunkelt, dass Jol Jürgen Klinsmann bei den Bayern sehr bald ablösen könnte. Der 53-Jährige nimmt es mit einem Lächeln zur Kenntnis. "Ich bin ein komischer Typ. Ruhm und Geld sind nicht alles. Ich fühle mich wohl in Hamburg", sagt er. Dass soll die nächsten Jahre so bleiben. Erneut 177 Tage werden sich die Fans nicht gedulden müssen. "Die Entscheidung kommt schneller", ist sich nicht nur Horst Becker sicher.