Die Story: Eine mysteriöse Seuche lässt die Einwohner einer Millionenstadt plötzlich erblinden. Die Regierung sperrt alle Erkrankten in ein ehemaliges Irrenhaus - darunter auch einen Augenarzt. Seine Frau ist immun gegen die Epidemie, stellt sich aber blind, um nicht von ihrem Mann getrennt zu werden. Im Überlebenskampf mutieren die Insassen zu Scheusalen: Bald herrschen Terror, Angst und Chaos - und die Frau des Arztes wird zur letzten Hoffnung für die Menschen.
Die Schauspieler: Julianne Moore verkörpert mit einer faszinierenden Mischung aus Sanftheit und Härte die selbstlose Sehende, die schwer an der Fürsorge für ihre Mitmenschen trägt - und sich am Ende wünscht, ebenfalls blind zu sein: Zu schrecklich sind die Dinge, die sie erblicken musste. An ihrer Seite bleibt Mark Ruffalo in der Rolle des zunächst souveränen und zusehends schwächelnden Augenarztes verhältnismäßig blass. Dafür liefert Gael García Bernal als niederträchtiger Pistolero ein beängstigendes Fallbeispiel für die Korruption durch Macht.
Der Regisseur: Fernando Meirelles ("City of God") hat aus dem essayistischen Roman von Nobelpreisträger José Saramago kein Apokalypse-Spektakel gemacht, sondern eine packende Parabel über eine Gesellschaft, die die Augen vor dem Zustand der Welt verschließt. Er offenbart, was sich unter dem dünnen Schutzmantel der Zivilisation verbirgt - und zeigt die ausbrechende Gewalt mit der nötigen Härte, aber ohne Voyeurismus. Sein Film punktet vor allem durch den furiosen Schnitt, die raffinierte Tonspur und das visuelle Konzept, das die düstere Geschichte in beinahe schmerzhafte Helligkeit verpackt. Im Zentrum steht dabei stets die Frau des Arztes, die nicht nur ihre blinden Mitmenschen durch die aus den Fugen geratene Welt führt: Sie öffnet auch uns Zuschauern die Augen - und lehrt uns, wieder neu zu sehen.