Er hat einfach Spaß am Kicken. Während die meisten Profis des HSV sich schon längst frisch geduscht vom Acker gemacht hatten, ließ Piotr Trochowski (24) es weiter krachen. Eine Stunde lang dauerte seine Extraschicht, geduldig mussten die Fans auf Autogramme ihres Lieblings warten. Bleibt zu hoffen, dass Joachim Löw Troches Spaß am Spiel heute honoriert. Das eigentliche Kriterium, die jüngst gezeigten Leistungen, wird er nicht zu Rate ziehen können.
Der Tag der Entscheidung ist da. Heute um 13.15 Uhr gibt der Bundestrainer sein Aufgebot für die EM in der Schweiz und Österreich bekannt. Sieben TV-Sender (ARD, ZDF, Bayern 3, NTV, N24, Eurosport und der ORF) berichten live, die Nation ist gespannt. Das gilt im Besonderen für Trochowski. Der HSV-Profi ist ein Wackelkandidat. Vier Mal war er zuletzt in der Bundesliga nur Reservist, sein Turnierticket ist in großer Gefahr. Konkurrent Simon Rolfes (Leverkusen) scheint gesetzt, David Odonkor (Sevilla) und Roberto Hilbert (Stuttgart) sind Troches wohl entscheidende Widersacher. Nur einen, höchstens zwei von ihnen wird Löw nominieren. Dynamik der Marke Odonkor, Hilberts Dribbelkünste oder Trochowskis Schussgewalt - wofür wird sich Löw entscheiden?
"Kein Kommentar dazu", ließ Trochowski gestern ausrichten. "Ich weiß noch nichts - und bevor das Aufgebot nicht bekannt ist, werde ich mich dazu nicht mehr äußern." Na klar, er zittert. Wer aber würde das schon zugeben?
Irgendwann heute Vormittag wird Trochowskis Handy klingeln. Dann ist er schlauer. Oder auch nicht. Die Möglichkeit, dass Löw mit einem zunächst aufgeblähten Kader von 25 oder 26 Spielern (23 bilden letztlich das EM-Aufgebot) am Montag ins Trainingslager nach Mallorca startet, ist gegeben. Trochowski wäre auch das recht. Wenn er denn nur mitdürfte.