Während der Junge vollkommen schutzlos neben Müllsäcken im Kellerraum hockte, waren seine Mutter und der Stiefvater mit den beiden jüngeren Geschwistern zu einer Einkaufstour aufgebrochen. Das sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Duisburg am Freitag.
Nachbarn alarmierten die Polizei, die das Haus von einem Schlüsseldienst öffnen ließ.
Der Junge stammt aus einer früheren Beziehung der Mutter, die inzwischen mit ihrem aktuellen Partner zwei weitere Kinder hat. „Es scheint alles darauf hin zu deuten, dass er das fünfte Rad am Wagen war.“
Der Kellerraum sei zwar relativ groß, neben einer Schlafliege seien aber nur Müllsäcke und Holzpaletten darin gewesen. Licht kam durch einen vergitterten Schacht.
Gegen die Mutter und den Stiefvater wird wegen Misshandlung Schutzbefohlener ermittelt. Darauf stehen nach Angaben der Staatsanwaltschaft zwischen sechs Monaten und zehn Jahren Gefängnis.
Die Ermittlungen könnten noch eine Weile andauern, sagte der Sprecher. Zur Zeit würden Nachbarn, Verwandte, Lehrer und Mitschüler des Siebenjährigen befragt. Beim Jugendamt war die Familie bereits bekannt: Allein in diesem Jahr seien schon sechs Hinweise auf Missstände beim Amt eingegangen, sagte Gerhard Patzelt, Sprecher des Kreises Wesel. Jedes Mal seien zwei Mitarbeiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes in das Haus der Familie gegangen und hätten mindestens eine Stunde mit Eltern und Kindern gesprochen.
Vorwürfe der Nachbarn hätten dabei allerdings nicht bestätigt werden können. Alles habe einen normalen Eindruck gemacht, sagte Patzelt. Der Junge sei wie jedes andere Kind zur Schule gegangen - allerdings habe es auch hier Hinweise auf außerordentlich viele Fehlzeiten gegeben.
Der Junge lebt nun vorübergehend bei einer Pflegefamilie. „Was endgültig mit ihm passiert, können wir noch nicht sagen. Auf keinen Fall kommt er zurück zu dieser Familie“, sagte Patzelt. Die Vormundschaft für den Siebenjährigen liegt inzwischen beim Kreisjugendamt. Seine beiden jüngeren Geschwister leben weiter bei ihren Eltern. „Aber wir halten ein Auge auf die Familie.“