Explodierende Kosten, Verzögerungen im Zeitplan, Streit hinter den Kulissen, ein gefeuerter Projektleiter: Der Bau der Elbphilharmonie gleicht für die Stadt einem einzigen großen Fiasko. Jetzt soll zumindest organisatorisch ein Neuanfang gewagt werden.
Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) hat die Aufgabe, die festgefahrene Situation zu lösen. Ihre Analyse der größten Fehler der Vergangenheit: "Wir haben die Notwendigkeit von externem Sachverstand bei einem solchen Großprojekt unterschätzt", gibt von Welck zu. Die Architekten Herzog & du Meuron seien mit Dutzenden Mitarbeitern involviert, ebenso die Baufirma Hochtief. Die städtische Realisierungsgesellschaft ReGe habe lediglich eine Handvoll Mitarbeiter. Die Frage nach der politischen Verantwortung für diesen teuren "Konstruktionsfehler" wollte von Welck gestern nicht beantworten. Immerhin: Die Senatorin, die die Elbphilharmonie erst seit Mai federführend betreut, will nun "auf Transparenz setzen". Externe Berater, die Erfahrung mit Großprojekten haben, sollen künftig in einem "Bauausschuss" die Stadt beraten.
Doch auch die Professionalisierung der Strukturen mit dem neuen Projektleiter Heribert Leutner (MOPO berichtete) wird ein Problem nicht lösen: Die Stadt ist kaum mehr Herr auf der eigenen Baustelle. So ist beispielsweise der Spielraum für kostendrückende Änderungen an der Elbphilharmonie sehr gering, da die Urheberrechte bei den Architekten liegen. Wie von Welck gestern zugab, liegen die Bauarbeiten um viereinhalb Monate hinter dem Zeitplan zurück. Ein Grund: Die Komplexität beim Bau des großen Konzertsaals wurde von allen Seiten unterschätzt. Die Verhandlungen zwischen Stadt und Hochtief um die Kosten sollen wieder aufgenommen werden. Es geht um Mehrkosten zwischen 100 und 200 Mio. Euro.