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EISSENDORFER SCHÜTZENVEREIN

Schießstand-Boss: Ist er ein Neonazi ?

Andreas H. hat zwei Gesichter. Seine Nachbarn kennen nur den netten, ziemlich beleibten Herrn von nebenan. Hilfsbereit sei er, unauffällig, ruhig. Ganz ähnlich sprechen die Mitglieder des Eißendorfer Schützenvereins über ihr Vorstandsmitglied. Und niemand im Harburger Traditionsverein will etwas gewusst haben. Jetzt aber kommt raus: Bei dem "Schützenbruder", der seit Jahren ausgerechnet für den sensibelsten Bereich des Vereins verantwortlich ist, die Schießsportanlage, handelt es sich um einen Mann mit rechtsextremistischer Gesinnung.



Alles flog auf, als vergangene Woche linke Demonstranten vor dem Wohnhaus von Andreas H. Flugblätter verteilten, die Nachbarn, aber auch den Schützenverein über die Vergangenheit des 39-Jährigen aufklärten. H. hat nach eigenen Angaben Strafanzeige erstattet.



Doch der Eißendorfer Schützenverein würde sein Vorstandsmitglied jetzt gerne so schnell wie möglich loswerden. Der Ruf von Schützenvereinen sei ohnehin schlecht, sagt der Vorsitzende Gerhard Moje. Dass da ausgerechnet jemand im Vorstand sitzt, der mit Wehrsportübungen - also mit der militärisch-ideologischen Ertüchtigung Jugendlicher - in Verbindung gebracht werden kann, macht sich gar nicht gut. "Mir sind allerdings die Hände gebunden", sagt Moje. "Andreas H. hat sich im Verein nichts zu Schulden kommen lassen."



Die Frage, ob Standwart Andreas H. beim Eißendorfer Schützenverein Zugriff auf Waffen hatte oder Einfluss auf die Ausbildung von Jungschützen nahm, verneint der Vereinsvorsitzende Moje. "Er hatte nur Zugriff auf seine eigene Waffe."



Die MOPO hat versucht, mit Andreas H. über dessen Vergangenheit zu sprechen. Er lehnte es ab. Zuvor allerdings hatte er seinem Vereinsvorsitzenden Rede und Antwort gestanden. "Mir hat er gesagt, dass er tatsächlich eine braune Vergangenheit hat, dass das aber lange vorbei sei", so Moje. Offenbar eine Notlüge. Denn der MOPO liegen Fotos vor, die H. bei einer Neonazi-Demonstration im Januar 2005 in Harburg zeigen!



Bereits vor 20 Jahren soll Andreas H. seine rechte Karriere begonnen haben. In den 80er Jahren sei er Mitglied der inzwischen verbotenen Neonazi-Partei FAP gewesen. Später sei er zum "Stahlhelm" gestoßen, der in Jork die "Wehrhafterhaltung der deutschen Jugend" propagierte und auch Wehrsportveranstaltungen durchführte. Andreas H. stieg angeblich bis zum "Ortsgruppenführer" auf.



Übrigens: Die private Internetseite des Andreas H. lässt kaum Zweifel an dessen Gesinnung. Verlinkt hat er sie mit der Homepage der "Exilregierung des deutschen Reiches". Als Hobby nennt H: "Sportschießen, gute Kneipenschlägereien, Tresenschlampen und die Ostsee."

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Datum:  13.10.2005
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Thomas Hirschbiegel

Aufschriften auf Firmenwagen sind immer wieder ein ergötzliches Thema. Jetzt stand ich am Eimsbütteler Markt hinter einem Transporter, auf dem stand: „Vor Ihnen fahren die Maler mit Freude am Beruf.“