Shakespeares Königsdramen sind breitwandige Politpanoramen: Verschwörung und Verrat, Macht und Mord - die Figuren werden ins Extreme getrieben. Immer groß was los auf der Bühne! Regisseurin Cornelia Rainer hat sich bei ihrer Stückfassung von "Richard II" für eine andere Konfektionsgröße entschieden und bietet einen sehr besonderen Blick auf das Geschehen an: rein in das Hirn des gefallenen Regenten.
"Richard II" manövriert sich durch unkluge und selbstherrliche Entscheidungen und Taten in eine unhaltbare Situation, verliert die Krone, landet im Kerker und wird dort schließlich ermordet. Wir sehen und hören nur Richard - im echten Gefängnis und dem seiner eigenen Gedanken -, wie er den Machtverlust noch einmal nachlebt und -leidet. Wie er seinen Cousin und Konkurrenten Bolingbroke, den späteren Heinrich IV., in die Verbannung schickt, sich seines Erbes bemächtigt, um in den Krieg in Irland zu ziehen. Wie Bolingbroke mit einer Armee zurückkehrt und sich beim Volk beliebt macht. Wie Richard gezwungen wird, abzudanken.
Das alles durch die Augen Richards. Hochkonzentriert auf einen Mann und seine Sprache. Sven-Eric Bechtolf ist grandios in dieser fulminanten Ein-Mann-Show. Er flucht, winselt, äfft und ächzt. Er fantasiert, klagt an, speit und schreit. Hier ist einer am eigenen Schicksal wahnsinnig geworden. Mit so einem 90 Minuten zu verbringen ist eine intensive Erfahrung, die volle Aufmerksamkeit fordert. Bechtolfs Höchstleistung lohnt es allemal.
Thalia-Theater: 20.11., 3.12., 8-42 Euro, Tel. 32 81 44 44