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EIMSBÜTTEL

Kleinkrieg in der SPD

Das Telefongespräch dauerte keine 60 Sekunden. Darin teilte der Juso-Landesvorsitzende Danial Ilkhanipour (27) dem SPD-Bundestagsabgeordneten Niels Annen (35) knapp mit, dass er gegen ihn anzutreten beabsichtigt - im parteiinternen Wettstreit um die Kandidatur als Direktkandidat für den Bundestag in Eimsbüttel. Seit diesem Telefonat ist die gesamte Hamburger SPD in heller Aufregung.



Denn die Gegenkandidatur Ilkhanipours - Sohn iranischer Einwanderer - empfinden viele Anhänger Annens als Affront. In einer Presseerklärung des SPD-Kreisverbands Eimsbüttel ist da gar vom "Gipfel der Unverfrorenheit" und von "Unterwanderungsstrategie" die Rede. Parteichef Ingo Egloff, der in Wandsbek selbst für Berlin kandidieren will, erklärte, er finde es "nicht in Ordnung", wie es in Eimsbüttel gelaufen sei. Gestern kamen sogar alle SPD-Kreischefs zu einer Krisensitzung zusammen.



Weshalb die Aufregung, was war passiert? Offenbar hatte Ilkhanipour seine Kandidatur lange geheim gehalten. Erst nachdem die Partei in Eimsbüttel in mehreren Wahlen Delegierte bestimmt hatte, die letztlich den Bundestagskandidaten am 15. November küren sollen, ließ der Juso-Chef die Katze aus dem Sack. Der Vorwurf der Annen-Anhänger: Ilkhanipour hatte zu diesen Wahlen haufenweise eigene Gewährsleute gekarrt, sodass treue Annen-Anhänger gar nicht erst gewählt werden konnten. "Da sind Parteimitglieder aufgetaucht, die habe ich noch nie gesehen", erinnert sich ein Genosse. Für Ilkhanipour alles Unsinn. "Annen hat einfach mittlerweile weniger Anhänger in der Partei als früher", sagt sein Sprecher Nicholas Gildemeister. Abgesehen davon sei die Kandidatur nach den Statuten der Partei korrekt verlaufen.



Besondere Brisanz erhält der Konflikt durch die Tatsache, dass Ilkhanipour als Gefolgsmann von Johannes Kahrs gilt. Der mächtige SPD-Chef aus Mitte ist Sprecher des konservativen "Seeheimer Kreises" in der SPD. Niels Annen hingegen ist einer der profiliertesten Sprecher der Parteilinken. Annen bekräftigte, er werde antreten, bedauerte aber, dass sich sein Konkurrent "der inhaltlichen Auseinandersetzung entzogen" hat.

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Datum:  31.10.2008
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