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Eilbek

So zockt der CDU-Mann Mieter ab

Hamburgs übelster Vermieter

Arbeitslose, Drogenabhängige, Obdachlose ­- an solche Menschen vermietet Thorsten Kuhlmann am liebsten. Weil er ein guter Mensch sei und sich dem Allgemeinwohl verpflichtet fühle, so sagt der 47-Jährige über sich selbst.



Seine Mieter aber können darüber nur schallend lachen. Sie wissen: Kuhlmann kassiert völlig überhöhte Mieten, berechnet Quadratmeter, die es gar nicht gibt. Und warum die Arge "team.arbeit.hamburg" immer noch anstandslos zahlt, versteht schon lange keiner mehr.



Schauplatz: Eilbek, Roßberg 33-35. Zur Straße hin ­- und nur dort! ­ ist das Gebäude frisch gestrichen. Passanten sollen darüber getäuscht werden, was sich für Bruchbuden hinter der Fassade verbergen. Löcher, die bewohnt werden von Menschen, die keine andere Wahl haben, denen sonst niemand eine Wohnung vermietet. Verschimmelt und feucht die Wände. Undichte Fenster und Türen. Eklige Bäder.



Der 32-jährige Bautischler Marco Pagel bewohnt ein einziges Zimmer. 40 Quadratmeter groß ist es ­- glaubt man dem Mietvertrag. Siegmund Chychla, stellvertretender Chef des Mietervereins zu Hamburg, misst nach. Ergebnis: Es sind nur 21 ­- die Hälfte! 440 Euro warm kostet die Wohnung, also 20 Euro pro (tatsächlich vorhandenem) Quadratmeter. Preise wie in Blankenese. Aber statt Luxus gibt's bei Pagel verschimmelte Wände. Und wenn er auf dem Klo sitzt, tropfen ihm Fäkalien aus einem kaputten Rohr auf den Kopf. "Ich habe meinem Sachbearbeiter bei der Arge gesagt, dass das hier alles Schwindel ist", erzählt Pagel. "Aber der hat mit den Achseln gezuckt. Ich solle froh sein, ein Dach überm Kopf zu haben."



MOPO-Reporter besuchen weitere Kuhlmann-Mieter im Haus -­ und finden keinen, dessen Wohnung hält, was der Mietvertrag verspricht. Ob bei Erich S., Sascha W. oder Vanessa E. ­- immer stehen Quadratmeter im Vertrag, die es gar nicht gibt. Bis kürzlich das Bezirksamt einschritt, hat Kuhlmann sogar Souterrain-Zimmer an Hartz-IV-Empfänger vermietet, die wegen fehlenden Tageslichts als Wohnung gar nicht zugelassen sind.



Viola Schürmann und Anna Seiffe, die im Keller hausten, erzählen von Schimmel und Feuchtigkeit. Und davon, dass auch bei ihnen mit der Wohnungsgröße geschummelt worden sei. Statt “ca. 70", wie im Vertrag angegeben, waren es nur 56. 520 Euro kalt zahlte die Arge dafür. Inzwischen sind die beiden Frauen ausgezogen ­- in eine Notunterkunft.



Fantasie-Quadratmeter, Wahnsinns-Mieten ­ warum macht die Arge das mit? "Wir haben kein Recht, die Wohnungen unserer Leistungsbezieher nachzumessen", so Horst Weise, Sprecher von "team.arbeit.hamburg". Die Verantwortung schiebt er auf die Mieter ab: Sollen die doch zum Mieterverein gehen. Dabei weiß er selbst, dass das nur die wenigsten tun werden. Aus Angst, wieder auf der Straße zu sitzen.



Und so kassiert Kuhlmann weiter ab. Der gelernte Kfz-Mechaniker, der von sich sagt, er sei "Hausmeister", besitzt 500 Wohneinheiten. Selbst bewohnt er eine Villa in Osdorf. Ist Hobby-Rennfahrer mit eigenem Rennstall, dem "Team Kuhlmann". Und er fungiert als stellvertretender Vorsitzender der CDU Osdorf.



Diese Funktion ruht allerdings seit Mittwoch.­ Folge der MOPO-Recherchen. "Kuhlmann hat zugesagt, sämtliche Wohnungen neu zu vermessen und alle Mietverträge zu überprüfen", so der CDU-Hoffnungsträger und Bürgerschaftsabgeordnete Robert Heinemann. Für die MOPO war Kuhlmann am Mittwoch nicht zu sprechen. Er sei im Urlaub.

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Datum:  18.2.2010
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