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DSDS-KANDIDATIN

Santa K.: Früher Bohlen, heute Burka

Santa K

Foto: Schimkus

Haare, Nase. Ohren, Mund ­ alles ist bedeckt. Das schwarze Tuch lässt nur die Augen frei. Santa K. (20) geht heute aus religiösen Gründen nur verschleiert auf die Straße. Vor knapp drei Jahren führte die junge Frau noch ein ganz anderes Leben. Sie wollte in die Glitzerwelt des Pop, nahm am Casting für "Deutschland sucht den Superstar" teil.



Wenn ein Mensch sein Gesicht verbirgt, löst das bei vielen Unbehagen aus.

Eine Post-Angestellte weigerte sich sogar, die Hamburgerin zu bedienen (MOPO berichtete). Die junge Hamburgerin kennt das. Blicke, Sprüche ­ täglich schlage ihr Ablehnung entgegen.



Dennoch ist es für die Deutsche mit polnischer Mutter und syrischem Vater unvorstellbar, ihr Gesicht in der Öffentlichkeit zu zeigen. "Ich habe durch den islamischen Glauben zum richtigen Weg gefunden", sagt sie. Im Koran werde die Verschleierung für Frauen empfohlen. Im "Niqab", dem Traditions- Schleier, sieht sie eine "Schutzbarriere vor respektlosen Männern".



Nicht einmal drei Jahre liegen zwischen diesen Worten und ihrem Versuch, eine Pop-Karriere zu starten. Oktober 2007: "Ich war in einer Schülerband, hatte mich schon bei ,Popstars' beworben, da dachte ich, ,DSDS' ist doch eine lustige Geschichte." Hibbelig, nervös, in Pullover und Jeans tritt das junge Mädchen in einer frühen Casting-Runde an. Sie sang einen Hit der sexy R'n'B-Sängerin Mya. "Zu laut, mit zittriger Stimme", wie sie damals selbstkritisch anmerkte. Bei den Juroren fiel sie durch.



"Kurz nach dem Casting hat es klick gemacht", erzählt Santa K. heute. Stück für Stück näherte sie sich der Religion ihres Vaters an ­ dem Islam. 2009 konvertierte sie. Für die Familie ein Schock. Der Kontakt zur christlichen Oma riss ab. Und als sie sich entschied, den Niqab zu tragen, auch der zum Vater. "Es war die schwerste Zeit meines Lebens", sagt sie, "aber der Gegenwind hat mich auch noch selbstbewusster gemacht."



Nur die katholische Mutter blieb an ihrer Seite, an die nun auch der Hamburger Türke Ferhat S. (26) stieß. Sein Bart und seine Kleidung verstärken oft die Vorurteile. "Aber wir finden islamische Terroristen genauso schrecklich wie jeder normale Mensch", versichert die im vierten Monat Schwangere.



Die fundamentale Abkehr von der "DSDS-Santa" sei absolut richtig gewesen. "Ich habe meinen kindlichen Leichtsinn abgelegt, schaue mehr auf andere Menschen", so Santa. "Aber ich bin immer noch genauso lebenslustig. Und ich schaue mit meinem Mann jede Folge von DSDS", sagt die 20-Jährige und lacht. "Aber wer da mitmacht, ist eigentlich schön blöd ..."

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Datum:  8.3.2010
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