Haschisch rauchen ist entspannend und manchmal auch sehr lustig. Doch längst nicht jeder hat den Umgang mit der Tüte unter Kontrolle. Ein Teil der Konsumenten reagiert mit Depressionen und Angstzuständen. Sie bewältigen ihren Alltag nicht mehr, schmeißen die Schule oder verlieren den Arbeitsplatz. Die Drogenambulanz des UKE betreut jährlich 400 Jugendliche mit massiven Suchtproblemen. Der Psychologe Udo Küstner und die Therapeutin Gisela Beckmann-Többen haben über ihre Therapiearbeit jetzt einen Ratgeber geschrieben: "Bekifft und abgedreht".
MOPO: Herr Küstner, wissen Sie überhaupt, wovon Sie reden?
Udo Küstner: Ob ich schon gekifft habe? Nun, auch in meiner Jugend gab es Drogen ...
MOPO: Ist Haschisch grundsätzlich gefährlich?
Küstner: Nein. Es ist nicht per se schädlich und verdammenswert. Allerdings sollten Kinder und Jugendliche grundsätzlich auf Cannabis verzichten. Denn in der pubertären Phase hat die Droge negative Auswirkung auf Reifungsprozesse, insbesondere auf die Hirnreifung.
MOPO: Wie viele Konsumenten haben Probleme?
Küstner: Fünf bis zehn Prozent der Konsumenten entwickeln schwerwiegende Störungen und können nicht mehr normal leben.
MOPO: Wann wird's gefährlich?
Gisela Beckmann-Többen: Wenn jemand nicht mehr ohne kann, die Kontrolle verliert. Wenn innere Nöte mit Cannabis bewältigt werden, jemand mit seinen Gefühlen und Problemen nur so fertig wird. Die Droge gleicht ein Defizit aus. Manchmal wird dann schon morgens vor und während der Schule gekifft und nicht mehr nur am Wochenende mit Freunden.
MOPO: Wie zeigen sich die Auswirkungen im Alltag?
Beckmann-Többen: Im Extrem fallen die Jugendlichen dann so aus dem Alltag, dass sie lange schlafen und erst ab den Abendstunden bis tief in die Nacht aktiv sind. Sie können sich nicht mehr konzentrieren, sind mit den Gedanken beim Stoff. Sie verlieren das Interesse an Hobbys und Aktivitäten, hängen ab, spielen Playstation. Schlimmstenfalls kommt es zu Angstzuständen und Depressionen. Bei jugendlichen Konsumenten zeigt sich auch eine dem Alter nicht angemessene Unreife.
MOPO: Führt also Cannabis manchmal zu psychischen Erkrankungen?
Küstner: Ja. 70 bis 80 Prozent der Jugendlichen, die Cannabis-Missbrauch betreiben, entwickeln auch psychische Störungen. Aber manche Jugendliche mit psychischen Auffälligkeiten nehmen umgekehrt Cannabis, weil sie sich Linderung erhoffen.
MOPO: Wann kommen Ihre Patienten zu Ihnen?
Küstner: Jugendliche kommen, wenn sie Stress in der Familie bekommen, wenn sie die Schule nicht mehr schaffen und Probleme mit der Polizei und der Staatsanwaltschaft bekommen. Junge Erwachsene kommen eher mit Panikattacken, psychiotischen Erlebnissen. Oder wenn sie im Leben auf der Stelle treten, immer noch zu Hause wohnen, weil sie kein Geld haben. Wenn gesteckte Ziele unerreichbar erscheinen.
MOPO: Wie lange dauert die Therapie?
Küstner: Oftmals hilft nur eine mehrmonatige intensive Therapie, das normale Leben wieder aufzunehmen. Einige machen auch einen stationären Entzug.
MOPO: Ist Cannabis heute stärker als vor 20 Jahren?
Küstner: Der THC-Anteil hat sich in den vergangenen 20 Jahren bei Marihuana mehr als verdoppelt und Jugendliche ziehen Marihuana vor. Bei Haschisch und Harzöl stieg der THC-Gehalt nicht.
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